Der Schweinskopf war leicht angefault, im Fleischaufbau aber gut erhalten. Steve Bosch, von Beruf Polizist mit Sonderaufgaben, kaufte das Stück in einer Metzgerei in Pretoria. Tags darauf fuhr er mit einem Kameraden zum Flußufer gleich hinter dem Schießplatz. Sie dekorierten den Schweinskopf mit einem Kopfhörer, in dessen Lautsprecher sie Sprengsätze montiert hatten.

Sekunden später flog der halbe Schädel der Sau in die Luft. Testergebnis: sehr gut. Danach tranken die beiden Feuerwerker Tee.

Dann die Premiere, durchgeführt am Kopf von Bheki Mlangeni: Der schwarze Rechtsanwalt wird durch einen Sprengsatz im Kopfhörer getötet. Das Mordinstrument stammt aus Meister Boschs Werkstatt. Anschließend wird in Vlakplaas, einer Terrorzelle der Geheimpolizei, bei Brandy und Burenwurst gefeiert. Der zuständige Minister belobigt seine Mannen. Eugene de Kock, Kommandeur der Einheit C 10, bilanziert: In jedem Krieg gibt es Opfer. Wir haben gegen den Antichristen gekämpft. Wir haben nur Befehle ausgeführt.

Jahre später. Das Schlachtfest wird noch einmal inszeniert, mit frischem Schweinskopf, versteht sich. Augen, Rüssel, Ohren, alles ist dran. Ein Kanonenschlag - wuuummm! - und weg ist er. Erst Gelächter, dann Geheul.

"Beschuldigt nicht mich! Beschuldigt die über mir, die unter mir und die neben mir!" jammert Ubu.

Was ist wahr, was erdichtet? In diesen vergangenheitstrüben Tagen fällt es schwer, zu unterscheiden. Wenn Oberst de Kock und Ubu Roi lamentieren, wird das absurde Theater zur Realität, die absurde Realität zum Theater. Am Ende aber übersteigen die nüchternen Fakten die bösartigen Fiktionen.

Am rechten Bühnenrand eine gläserne Zelle, der Raum des Übersetzers er pendelt zwischen Xhosa und Afrikaans, den Sprachen der Opfer und Täter. Links der Zeugenstand. Die Zeugen, verkörpert durch lebensgroße Marionetten, erzählen leise, stockend, gequält von Folter, Mord und Totschlag im Namen der weißen Vorherrschaft. Über die Leinwand im Hintergrund laufen Animationsbilder, eine zweite Wahrnehmungsebene, auf die die Seelenlandschaften der Helden projiziert werden, ihre Wahnwelten, Obsessionen und Alpträume.