Im Südwesten Irlands liegt ein Golfplatz, wo Golf noch so gespielt wird, wie es eigentlich gedacht war.

Am ersten Abschlag des Lahinch Golf Club, in Lahinch, County Clare, starrt der an Parklandschaft gewöhnte Mitteleuropäer auf eine von sprödem Dünengras überwucherte Mondlandschaft. "Wo, bitte, ist hier ein Golfplatz?" Beim zweiten Hinsehen erkennt man ein schmales Fairwaychen, und irgendwo weit hinten, zwischen kraterartigen Sandbunkern, winkt das erste Grün. Eines war mir sofort klar: Um hier zu überleben, braucht es einen gestandenen Caddy.

Denn die ungewohnten Platzverhältnisse und das irische Wetter stellen Aufgaben, die Festlandgolfer ohne kundige Hilfe schlecht bewältigen können.

Unser Mann hieß Hughes. Klein, zäh und der lebende Beweis, daß Guinness sehr wohl als Hauptnahrungsmittel ausreicht, um täglich zwei Golfbags über 36 Löcher zu schleppen.

Nach dem ersten Abschlag wußte er sofort, was golferisch auf ihn hereinbrechen würde. (Wahrscheinlich wußte er's schon beim Probeschwung.) Man sah ihm an, daß es nichts gibt, was er noch nicht gesehen hatte. Was beim Golf ja einiges heißen will.

Von nun an wählt Hughes die Schläger aus. Die nach seiner Meinung richtigen, wohlgemerkt. Er zeigt genau die Stellen auf den Fairways, wo er die Bälle anschließend sehen will. Und er hat es nicht gerne, wenn widersprochen wird.

Diskussionen beendet er grummelnd. Reicht dann den nach seiner Ansicht völlig falschen Schläger mit einer Miene, als müßte er mit einem Aussätzigen sein Guinness teilen. Denn nichts haßt er mehr, als einen Bunker rechen zu müssen, nur weil my bloody man nicht auf ihn gehört hat. Gelingt der Schlag trotzdem, kann er sich erstaunlich ehrlich freuen.