Arme Berliner! Da denkt der normale Bürger draußen im Lande, daß die Hauptstädter wegen der Nachbarschaft von Präsidentenschloß, neuem Kanzleramt und Reichstag vor wiedergewonnenem Selbstbewußtsein nur so strotzen. Nichts von alledem. Die Einwohner der deutschen Metropole sind von tiefen Selbstzweifeln geplagt. Offenkundig halten sie ihre Stadt für so abschrekkend, daß sie befürchten, alle diejenigen, die künftig am Regierungssitz Lohn und Brot suchen, würden nach Erledigung ihrer Arbeitspflichten fluchtartig Berlin verlassen, wann immer es geht.

Nur den Berlinern die Arbeitsplätze streitig machen, aber anderswo die Hauptwohnung behalten und Steuern zahlen - so haben sich die Berliner die Hauptstadt nicht vorgestellt. Aber wo eine Finanzsenatorin ist, ist auch ein Weg: Dann wird künftig für die werktägliche Unterkunft eine Zweitwohnungssteuer fällig. Kinder in der Schulausbildung? Der Arbeitsplatz des Partners in der alten Heimat? Pflege der alten Mutter?

Alles kleinliche Einwände. Wer nicht umziehen will, muß eben fühlen. Arme Neuberliner.