In Warschau Benetton und GAP, McDonald's und Doc Martens, fast so schön wie zu Hause. Oder noch schöner: Im Zeitschriften-Departement des Gabriela Sabatini Megastore, Ecke Nowy swiat und Jerozolimskie, liegt sogar die fette Wochenendausgabe der New York Times. Allerdings für 39,50 ZIoty, so teuer wie eine Michael-Jackson-CD.

Die Hochglanzabteilung ist überfüllt, lautloses Blättern in Computer-Sport-Sex-Mode-Motor-Zeitschriften - nur wenige kaufen, die Bilder bleiben im Kopf. Es geht aufwärts.

Was nicht zu erwarten war: Tomasz Stanko begrüßt den Kapitalismus, das neue Tempo, den Aufbruch. Der düstere Trompeter mit dem dreckigen Ton, Inbild des schwermütigen Musikers, ist offenbar ein anderer geworden, er spricht von Yoga, Jogging und vegetarischer Ernährung, die dunkle Periode seines Lebens nennt er Vergangenheit. Es gebe mehr Festivals, mehr Konzerte, mehr von allem.

"Ich fühle mich wohler. Natürlich ist die Konkurrenz größer, natürlich hängt es davon ab, wie gut man ist, wie tough, wie man sein Talent verkaufen kann.

Früher wurde man subventioniert, jeder bekam das gleiche. Der Übergang war schwer."

Und dann, nach einer kleinen Pause, mit einem melancholisch-ironischen Lächeln: "Natürlich kommen die geruhsamen Zeiten, die schönen alten Lenin-Zeiten nicht mehr zurück."

Tomasz Stankos Augen erzählen eine andere Geschichte: von einem jungen Trompeter aus der "Katakomben-Periode" des polnischen Jazz der fünfziger und sechziger Jahre, von den früh verstorbenen Freunden und Musikern Krzysztof Komeda und Zbigniew Seifert, von europäischem Ruhm, von Alkohol und Drogen, von Wiederauferstehung.