Edmund Wolf gehörte zu der fast ausgestorbenen Gruppe exilierter Schriftsteller aus Mitteleuropa, die durch ihre Emigration Heimat und Sprache verloren. Eine doppelte Pression dominierte Wolfs ganzes Leben bis zu seinem Tod vor wenigen Tagen mit 87 Jahren: der Zwang, in England ein neues Leben zu beginnen, und die unausweichliche Notwendigkeit, sich der deutschen Sprache zu bedienen.

Wolf kam am 23. April 1910 in Rzeszow bei Krakau im damals österreichischen Teil Polens auf die Welt. Noch als Kind, gerade vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, gelangte er mit seiner Familie nach Wien. Dort entdeckte er das Theater, das zur großen Liebe seines Lebens wurde. Während seines Studiums der Rechtswissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte an der Wiener Universität fand er die Zeit, das Reinhardt-Seminar zu besuchen. Er war erst 22 Jahre alt und noch Student, als sein erstes Stück auf die Bühne gelangte.

Diesem Gesellenstück folgten rasch zwei weitere Bühnenwerke, mit denen er seinen persönlichen Stil etablierte: Komödien mit einer dichten Handlung, deren klare Entwicklungslinien von glaubhaften Charakteren bestimmt waren.

Seine früh ausgeprägten Gaben wurden rasch erkannt. Mit 25 Jahren wurde er Dramaturg am Deutschen Volkstheater. 1937 hatte er den ersten großen Erfolg mit seiner "Räubergeschichte", die auf allen deutschsprachigen Bühnen ein Kassenschlager war, in viele Sprachen übersetzt und für das Fernsehen bearbeitet wurde. Das Stück gelangte freilich niemals nach England - im Unterschied zu seinem Autor. Wolf erkannte die nazistische Gefahr sehr früh, doch als er 1937 nach England kam, dachte er noch nicht an Emigration. Die Ereignisse in Österreich, der "Anschluß", klärten diese Frage. Der Verkauf eines Filmstoffes an die 20th Century Fox gab Wolf die finanziellen Mittel, seinen Aufenthalt zu finanzieren.

Wie so viele andere Flüchtlinge wurde Wolf kurz nach Beginn des Zweiten Weltkrieges als "feindlicher Ausländer" interniert und nach Kanada abgeschoben. Dank einer Intervention des PEN-Clubs wurde er entlassen. Er nahm das Angebot des Deutschen Dienstes der BBC an, Propagandasendungen zu schreiben. So gewann er von neuem ein deutschsprachiges Publikum, wenn auch in einem anderen Medium. Rasch wurde er zum Programmdirektor befördert.

Nach dem Krieg eröffnete sich eine neue Karriere im Zeitungsjournalismus.

Unter dem Pseudonym "Martin Wieland" schrieb er von 1958 bis 1978 als Londoner Korrespondent und Kolumnist für die ZEIT, danach bis 1986 für die Süddeutsche Zeitung.