1943 hatte er Rebecca Wijnschenk geheiratet, eine jüdische Emigrantin aus Holland. In seinem offenen Haus vermischten sich die englische und kontinentale Kultur: Kunst und Politik waren die unerschöpflichen Gesprächsthemen. Den Marxismus, dessen Wurzeln nicht in der Realität, sondern in einem intellektuellen Wunschbild vom Wesen des Menschen begründet sind, hielt Wolf für Betrug. Stilistische Unklarheit und Eitelkeit betrachtete er mit schierer Verachtung.

Wolf stammte aus einer zionistischen, aber keineswegs orthodoxen Familie. Im Gang der Zeit rückte ihm die Religion ferner. Aber sein jüdisches Bewußtsein wurde durch die Katastrophe wiedererweckt, die ihn ins Exil getrieben und nahezu seine ganze Familie ausgelöscht hatte. Seine Eltern, ein Bruder und eine Schwester waren die einzigen Überlebenden sie fanden im damaligen Palästina Zuflucht. Bis zum Ende seines Lebens versuchte er, seine jüdische Identität mit seiner Bindung an die europäische, besonders die deutsche Kultur und seine Zweifel über den Judaismus als Religion miteinander zu versöhnen.

Wolfs Vorschlag, den Deutschen Dienst der BBC auch ins Fernsehen auszudehnen, machte die deutschen Fernsehanstalten auf ihn aufmerksam. So begann eine 25jährige Zusammenarbeit mit der ARD, vertreten durch den Bayerischen Rundfunk, die fast bis zu seinem sechzigsten Lebensjahr fortgeführt werden konnte. Er schrieb und produzierte mehr als achtzig Dokumentarfilme, dazu eine beträchtliche Anzahl von Dokumentationsdramen. Sein bekanntestes Werk war die Rekonstruktion der Entführung einer Lufthansa-Maschine unter dem Titel "LH 615: Operation München". 1976 gewann er den Goldenen Bambi für das beste Fernsehspiel des Jahres.

In den späten achtziger Jahren wurden zwei Stücke über Hitler produziert: "Geheime Reichssache". Sie gewannen ihm die Silbermedaille der Deutschen Angestellten-Gewerkschaft. Sein letztes Fernsehspiel über den Mord an dem tschechoslowakischen Außenminister Jan Masaryk wurde gesendet, als er schon seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hatte.

Trotz dieser Erfolge konnte sich Wolf niemals mit seiner Entfremdung von der Bühne abfinden. Alle seine Versuche, das englische Theater zu erobern, führten zu nichts. Er beherrschte die Sprache glänzend, aber die Zwischentöne, die es für die Bühne brauchte, blieben ihm versagt. Es ist von trauriger Ironie, daß zwei seiner Stücke, die er in Englisch geschrieben hatte, auf deutschen Bühnen in seiner eigenen Übersetzung erfolgreich aufgeführt wurden. Keines wurde jemals in England gezeigt. Wer ihn kannte und liebte, wußte genau, daß er fast alles dafür gegeben hätte, zum Theater heimkehren zu können.

Aus dem Englischen von Klaus Harpprecht