Nun ist das deutsch-amerikanische Verhältnis völlig von dem Streit um die Scientologen überschattet. Deutschland war im letzten Menschenrechtsbericht des State Department erwähnt worden - als eines der Länder, in denen religiöse Minderheiten verfolgt werden. Vergangene Woche hat der Auswärtige Ausschuß des Repräsentantenhauses eine Resolution verabschiedet, die Präsident Clinton zwingen soll, wegen der Verfolgung von Scientologen gegen Deutschland vorzugehen. Die Resolution ist vom selben Geiste wie der Freedom From Religious Persecution Act, ein Gesetzentwurf, der ebenfalls noch in den Ausschüssen verhandelt wird. Es geht den Senatoren und Abgeordneten um nichts weniger als um dies: Religiöse Prinzipien sollen zur Richtschnur der Außenpolitik werden. Der Präsident soll Staaten mit Sanktionen belegen, in denen nach Erkenntnis eines noch zu schaffenden Amts für Religionsdiskriminierung Menschen wegen ihres Glaubens verfolgt werden.

Die Scientologen, die in Amerika selbst erst nach einem erbitterten, langjährigen Kampf gegen das zuständige Finanzamt als Religionsgemeinschaft anerkannt wurden, können die Resolution als Erfolg verbuchen. Anfang des kommenden Jahres soll sie im Plenum verhandelt werden. Es geht in den Wahlkampf 1998, bei dem sich alle Abgeordneten und ein Drittel der Senatoren zur Wiederwahl stellen müssen. Wer von ihnen wird sich gegen eine Resolution sperren, die auf die Sekundenbits des Fernsehens verkürzt dann als folgende simple Frage daherkommt: Sind Sie für oder gegen die Verfolgung religiöser Minderheiten?

Die 16 oder 44 Mitglieder des Auswärtigen Ausschusses, die die Resolution beschlossen, haben sich die Überrumpelungstaktiken der religiösen Fanatiker zu eigen gemacht. Sie nutzten die Abwesenheit der Ausschußmehrheit, sie hielten es auch für überflüssig, sich von Botschafter Jürgen Chrobog die deutsche Haltung erklären zu lassen. Nun mußte Außenminister Klaus Kinkel selber bei seinem Washington-Besuch das leidige Thema mit seiner Kollegin Madeleine Albright erörtern.