Ein Testjahr hatten sie miteinander verabredet, der Alt- und der Jungverleger, der Groß- und der Kleinverleger, Siegfried Unseld vom Frankfurter Suhrkamp Verlag und Thedel von Wallmoden vom Göttinger Wallstein-Verlag. Spätestens danach sollte von Wallmoden entweder als Unselds Kronprinz mit Geschäftsführervertrag installiert oder sein Beraterverhältnis bei Suhrkamp beendet werden. Keine sieben Monate später kommt bereits die Nachricht von der einvernehmlichen Trennung. Kronprinz Thedel wird nicht mehr lange beraten (sein Vertrag wird "ausgesetzt"), König Siegfried, 73, ist wieder einmal kronprinzenfrei. Bereits zum dritten Mal, denn Sohn Joachim Unseld und Geschäftsführer Gottfried Honnefelder waren schon vor von Wallmoden aus der Prinzenrolle gefallen. Unselds Nachfolge in Deutschlands renommiertestem Verlag ist so offen wie je. Suhrkamp, die vierte. Oder auch nicht. Der Chef sitzt aus. Warum sollte, was für Kohl recht ist, für Unseld nicht billig sein?