Noch nie war so klar wie mit Hilfe der vorigen ZEIT (S. 60), was plausibel heißt. "Die serielle Musik der fünfziger und sechziger Jahre verkörperte ja noch das Ideal des Homo faber: ein fast mathematisches Konstruieren von Tonhöhen, Hüllkurven und Klangfarben eine zerebrale Musik, die gegen den Affekt gerichtet war." So begann der Interviewer eine Frage an den Komponisten Steve Reich und er fuhr fort: "Wenn nun die ganze technische Fortschrittsidee fragwürdig wird - wie Sie das in ,Hindenburg' thematisieren" (und wenn noch viel mehr), dann lasse sich so vielleicht erklären, "daß die serielle und aleatorische Musik samt begleitender Adorno-Rhetorik Makulatur wurde". Und da kam sie, die Antwort des Komponisten: "Das klingt plausibel."

Für ihn! Für wen noch? Gut, für die Kollegen Musikkritiker und die Professoren der Musikwissenschaft. Und für wen noch? Offenbar war es der Stolz des Interviewers, von möglichst wenigen seiner Mitmenschen verstanden zu werden. Hüllkurven! Journalismus wäre das Gegenteil.