Der Euro kommt am 1. Januar 1999. Nur wenn vorher Helmut Kohl oder Jacques Chirac stürzen sollte, wäre dieses Datum gefährdet - aber dergleichen ist außerordentlich unwahrscheinlich. Höchstwahrscheinlich dagegen sind zwei positive Aspekte: Zum einen werden Holland, Belgien, Luxemburg, Spanien, Portugal, Irland, Österreich und Finnland von vornherein dabeisein - und Italien auch, trotz der innenpolitischen Querelen in Rom. Diese Entscheidung wird der Europäische Rat im Mai 1998 treffen; er wird sich dabei auf die Artikel 104 c und 109 j des durch Maastricht novellierten EG-Vertrages stützen und die ihm dort eingeräumten Entscheidungsspielräume nützen. Zum anderen wird der Euro von 1999 an binnen weniger Jahre ein dem Dollar adäquates Gewicht auf den Rohstoff-, Industriegüter- und Finanzmärkten der Welt gewinnen; seine Binnenpreisstabilität wird derjenigen der D-Mark entsprechen, seine Außenwertstabilität gegenüber anderen Währungen, sein Wechselkurs also, wird stabiler sein als bisher derjenige der D-Mark.

Der entscheidende Grund für die Erwartung der doppelten Stabilität des Euro liegt zum einen in der rechtlichen und politischen Unabhängigkeit des Europäischen Zentralbanksystems; sie beruht unter anderem auf dem Verbot, der Kommission der Europäischen Union oder Regierungen oder Gebietskörperschaften der Teilnehmerstaaten irgendwelche Kredite zu geben - ganz anders, als es die nationalen Zentralbanken in manchen der EU-Staaten unter politischem Diktat oder Druck ihrer Regierung noch vor kurzem getan haben. Weil zum anderen die hinter dem Euro stehende europäische Wirtschaftskraft (und die Währungsreserven!) dem Euro ein erheblich höheres Schwergewicht geben, wird er Turbulenzen besser standhalten als bisher die Mark.

Die Finanzmärkte, die Banken und Börsen der Welt sind im Begriff, sich auf diese zukünftigen Tatsachen einzustellen - einschließlich wachsender Teile der britischen Industrie und der Bankwelt, die beide zunehmend für eine britische Beteiligung eintreten. In den Gründungsstaaten der EG - Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Belgien und Luxemburg - bereiten sich längst alle größeren Banken, Versicherungen, Verkehrsunternehmen, Industrieund Handelsgesellschaften auf die Umstellung vor. Sie wissen, daß die einmaligen Kosten der Umstellung ihrer Rechnungs- und Computersysteme schon im ersten Jahr des Euro durch den Wegfall von bisher, grob geschätzt, dreißig Milliarden Mark jährlicher Kurssicherungs- und Transferkosten wieder ausgeglichen werden.

Die gemeinsame Währung ist allerdings kein Instrument zur prompten Minderung der europäischen Massenarbeitslosigkeit; ihre ökonomischen Vorteile werden erst mittel- und langfristig zu Buche schlagen. Vielmehr ist der Euro der jetzt notwendige Schritt zur Vertiefung und Konsolidierung der Europäischen Union. Dabei ist die gemeinsame Währung weder der erste noch der letzte Schritt. Die nächsten Schritte müssen die weitere Demokratisierung und Entbürokratisierung der EU betreffen, die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik und später die Erweiterung um neue Mitgliedsstaaten aus dem Osten des Kontinents.

Die schrittweise Errichtung der EU begann 1950/52 mit dem Schumanplan zur Gemeinschaft für Kohle und Stahl von damals nur sechs Staaten. Seither sind viele weitere Schritte getan und mehrere Krisen des Integrationsprozesses überwunden worden. Die EU war erfolgreich und attraktiv, deshalb umfaßt sie inzwischen fünfzehn Mitgliedsstaaten. Die strategischen Motive waren:

1. Die gegenseitige Einbindung Frankreichs und Deutschlands zwecks Verhinderung eines abermaligen Konfliktes zwischen beiden, nachdem einschließlich der Napoleonischen Kriege binnen anderthalb Jahrhunderten vier deutsch-französische Kriege Europa ins Chaos gestürzt hatten.

2. Der eklatante sozialökonomische Vorteil des gemeinsamen Marktes; hier lag das Hauptmotiv für fast alle späteren Beitritte weiterer Staaten. Das erfolgreiche Beispiel der EU hat inzwischen die Schaffung der Freihandelszonen in Nord- und Südamerika (Nafta und Mercosur) ausgelöst.