Bonn

Die rotgrünen Krisen von heute wirken wie ein Déjà-vu. Der erste Versuch scheiterte mit großem politischem Spektakel: Zehn Jahre liegen zwischen der Auseinandersetzung um die Hanauer Nuklearfabrik Alkem und der aktuellen Zuspitzung um Garzweiler II, den geplanten Braunkohletagebau in Nordrhein-Westfalen. Damals, 1987, scheiterte die erste rotgrüne Regierung in Hessen an einer Teilgenehmigung des SPD-Wirtschaftsministers für die Plutoniumverarbeitung; heute starrt die Koalition in Düsseldorf auf die Entscheidung des Bergamtes in Düren.

Damals wie heute: Rot-Grün ist ein Konfliktbündnis und wird es bleiben. Oder markieren die harmonischen Koalitionsverhandlungen in Hamburg vielleicht eine Wende? Oder sind sie doch nur eine neue Station im rotgrünen Auf und Ab? Für Nordrhein-Westfalen jedenfalls wagt derzeit niemand die Prognose, ob am Ende ein akzeptabler Kompromiß, die Kapitulation einer Seite oder der Koalitionsbruch stehen wird.

"Ich kämpfe, daß Rot-Grün weitergeht, darauf können Sie sich verlassen", erklärte Joschka Fischer 1987, unmittelbar nach dem Ende der hessischen Koalition. Die Trennung, um wieder zusammenzukommen, Krise und neue Chance, Resignation und Erwartung: das wurde seither zum rotgrünen Leitmotiv.

Hanau - die Schließung der Nuklearbetriebe im zweiten Anlauf - wurde zum großen grünen Erfolgserlebnis, der Legitimationsmythos grüner Regierungsbeteiligung. Ein Koalitionsbruch wegen Garzweiler hingegen bedeutete das Ende jeder vernünftigen Hoffnung auf einen rotgrünen Machtwechsel in Bonn.

Einen merkwürdigen Konjunkturzyklus hat dieses "Projekt" erlebt. Dabei ist Rot-Grün in den Ländern längst zur normalen politischen Option geworden. In Hessen, Nordrhein-Westfalen (NRW), Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt, demnächst in Hamburg, regieren die beiden Parteien. Zuvor gab es Koalitionen in Berlin, Niedersachsen und obendrein zusammen mit der FDP in Bremen und Brandenburg. Daß es die beiden Partner immer wieder miteinander versuchen, täuscht allerdings nicht darüber hinweg, wie aufreibend ihre Zusammenarbeit ist - und wie glanzlos.