Die Eliten sind umschwärmt - jedenfalls im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Schon um die siebzehnjährigen Musterschüler werben Topuniversitäten wie hierzulande Fußballvereine um die Starkicker ihrer Wahl. Kleine naturwissenschaftliche und mathematische Genies können es leicht auf zehn Einladungen bringen: Die Personalchefs der Universitäten fliegen sie zu zweitägigen Werbeveranstaltungen ein, beköstigen und behausen sie luxuriös.

Das Potential für die junge Elite ist leicht bestimmt: Wer in landesweiten Eignungstests und Wissenschaftskonkurrenzen glänzt, gehört dazu - ob Frau oder Mann, farbig oder weiß. Damit hat es sich aber auch mit der Zahlenobjektivität. Aus dieser Gruppe wählen die Colleges jene aus, die am besten zu ihnen passen - nach Persönlichkeit und Neigungen, nach dem Bankkonto der Eltern oder einem besonderen Sporttalent. Eliteschulen wie Harvard und Stanford, Princeton und Berkeley geben ihren Absolventen gewaltige Vorteile mit auf den Weg. Talentsucher sämtlicher lukrativer Arbeitgeber tummeln sich im Frühjahr auf dem Gelände der Topinstitute, um künftige Führungskräfte anzuheuern. Völlig ohne Jobangebot abzugehen ist da fast schon eine Kunst.

Von der jährlich bis zu 50 000 Mark kostenden Ausbildung zehren die Studenten ein Leben lang. Vor allem dürfen sie auf Beziehungen, das old boys network, hoffen. Wer auf ein hohes Richteramt aus ist, liegt mit Yale richtig: Die Universität hat mehr Verfassungsrichter gestellt als jede andere. Wer später in einem Unternehmen oder einem Ministerium ein Entree braucht, fährt mit Harvard am besten. In allen größeren Städten der Vereinigten Staaten unterhält der Harvard Club ein Haus, in dem sich die Alumni kennenlernen können.

Längst lassen sich die Besten und Klügsten nicht mehr an einer Bevölkerungsgruppe festmachen. Noch vor zwei Dekaden bildeten vor allem wasps, weiße angelsächsische Protestanten, die Elite. Zwar herrschen sie noch über den Beacon Hill in Boston, die Upper East Side in Manhattan und spielen in den Washingtoner Behörden eine gewichtige Rolle. Aber an den Universitäten und in den großen Firmen nehmen ihnen Angehörige anderer Gruppen die einst angestammten Sessel weg.

Ob Geschäfts-, Kultur- oder Politikelite: Nirgends erfreuen sich die Spitzenkräfte so großer Begeisterung wie in den Vereinigten Staaten. Die großen Magazine küren die Reichsten unter Führung von Microsoft-Gründer Bill Gates, die Schönsten mit dem Photomodell Cindy Crawford an der Spitze. Time Magazine stellt vom Modeschöpfer Calvin Klein bis zum Managementguru Michael Hammer die einflußreichsten Landsleute heraus, um dann mit feinsinniger Unterscheidung die Liste der Mächtigsten dagegenzuhalten.

Immer noch speist sich auch die politische Elite aus den Spitzenuniversitäten. Wenn in Washington die Regierung wechselt, räumen unter Garantie mehrere Professoren im neuenglischen Cambridge ihren Schreibtisch, um dem Ruf des neuen Präsidenten in ein Minister- oder Verwaltungsamt zu folgen. Abgelöste Mitglieder der alten Regierung kehren zurück ans Professorenpult.

Mehr Prestige als die politische Karriere verspricht heute freilich die Zugehörigkeit zur Managerelite. Keine akademische Rangliste ist denn auch so populär wie die Charts der besten Business Schools. Neben klassischen Kaderschmieden wie der Harvard Business School führen innovative Schulen wie Kellogg in Chicago auf der Skala. Ihre Abgänger, dem Titel nach allesamt Master of Business Administration (MBA), nehmen zumeist hochbezahlte Einsteigerjobs an - schon weil sie die immensen Darlehen für die Studiengebühren zurückzahlen müssen. Heuerten sie bis vor zwei Dekaden vor allem in Großunternehmen an, finden heute die großen Firmenberatungen und Investmentbanken die größte Resonanz mit ihren Angeboten. Und Anfang der neunziger Jahre entdeckten die Abgänger einen neuen Arbeitsmarkt: Hollywood.