Am Sonntag morgen wird im Breisgau zum erstenmal die Zeitung am Sonntag (ZaS) in alle Briefkästen geworfen, ein kostenloses Qualitätsblatt, eine Gratis-Wochenzeitung für die von ihrem Lokal- und Monopolblatt Badische Zeitung nicht mehr so verwöhnten Leser. Anfangsauflage der seriös aufgemachten Neuerscheinung mit politischem und Sportteil, mit Kultur und Lokalem: 120 000 Exemplare. Die erste Ausgabe erwirtschaftete bereits eine Woche vor der Premiere schwarze Zahlen.

Wer nachfragt, entdeckt Wunderliches. Der SC Freiburg, Fußballverein mit drei seligen, schon wieder verblichenen Bundesligasaisons, ist skurrile Mitursache für das neue Blatt. Er steckt mitten in der Kausalkette zur ZaS. Und das kam so: Ein gewisser Michael Zäh, viele Jahre Amateurfußballer und Student, dann Schreiber von Sportberichten in Lahr, und sein Freund, der Graphiker Sven Bente, Sohn eines Fußballers, wollten mal etwas anderes machen als die übliche Fußballberichterstattung. So schufen sie 1990 das vierfarbige regionale Hattrick Fußballmagazin. Sie machten es neben ihrer Arbeit, sammelten Anzeigen, schrieben etwas intelligentere Texte und verteilten dieses Blatt in und um Freiburg gratis.

"Hey, nicht schlecht gemacht!" sagten die Fußballfans und: "Wieso gibt's das gratis?" Die beiden Kollegen akquirierten munter Anzeigen und verteilten immer mal wieder 20 000 bis 30 000 Exemplare des kleinen, aber feinen Sportmagazins. "Das ist gut angekommen. Wir haben sogar damit Gewinne gemacht."

1993 stieg der SC Freiburg in die erste Bundesliga auf. Die Region war fasziniert, das Fußballfieber griff um sich. 1995 beschlossen die beiden Hattrick-Macher, ihr Magazin zu vergrößern; seit 1996 vertreiben sie es bundesweit. Vier Blattmacher waren es inzwischen, die zusammen knapp eine Million Mark aufbrachten. Sie verkauften nun die erste neue Nummer ganz kommerziell. Allein in Freiburg wurden sie 30 000 Exemplare los, in der ganzen Republik mehr als 150 000. Die Fans waren beglückt.

Tatsächlich ist das Sportblatt, jetzt nur noch Hattrick genannt, eine Augenweide. Es erscheint nunmehr achtmal im Jahr, Regionalausgaben sind für München, Berlin und Hamburg geplant (Freiburg ist ohnehin ein Muß), und die Zahlen werden langsam schwärzer, sagen wir's mal so, obwohl sich das Risiko von Nummer zu Nummer erneuert. Ohne Marktanalysen und ohne Einsatz von zig Millionen war ein seriöses und dennoch pfiffiges Zeitungsprojekt mit wenigen Redakteuren (inzwischen sind es vier) und wenig Kapital gelungen.

Zäh schildert, daß man zunächst bei solch einem Vorstoß ins Ungewisse auch ein bißchen blind sein mußte für alle schwarzen Verästelungen. Es war ja keineswegs sicher, daß das eingesetzte Geld der vier Privatiers zurückkam.

Dieses Erfolgsmodell hatten die Hattrick-Macher also im Kopf, als sie sich eines Abends in rauchgeschwängerter Kneipe in Freiburg über Zurücksetzung und Unrecht ärgerten, die einigen durchaus tüchtigen Kollegen anderswo widerfahren waren. Was tun? Wer einmal bereits das Risiko besiegt und eine erfolgreiche Publikation aus dem Boden gestampft hat, kommt leicht auf die Idee, die jeder Journalist einmal in seinem Leben wälzt: ein eigenes politisches Blatt zu gründen, unabhängig, nach individuellem Gusto.