Bis Mitte 19. Jahrhundert: Keine verbindliche Normung der deutschen Orthographie. Als Richtschnur dienen vielfach die Werke einflußreicher Grammatiker und Lexikographen (Schottel 1663, Freyer 1722, Gottsched 1748, Adelung 1788).

Ab 1854: Stark voneinander abweichende orthographische Regelhefte der Schulverwaltungen einzelner deutscher Länder (Hannover, Bayern, Sachsen-Meiningen und weiterer).

1876: Erste Orthographiekonferenz in Berlin, mit dem Ziel einer sowohl vereinheitlichten als auch systematisierten Rechtschreibung. Bei den Reformern hat das "phonetische" Prinzip (Deutsch soll so geschrieben werden, wie es gesprochen wird) über das "historische" gesiegt (die Schreibung soll die Wortgeschichte berücksichtigen). Vorlage für die Konferenz: Rudolf von Raumer, Leipzig, ein gemäßigter Verfechter des phonetischen Prinzips. Die Konferenz kann sich nicht über die Kennzeichnung gedehnter Vokale einigen deswegen und wegen heftiger öffentlicher Polemik lehnt die Mehrheit der Länder das Ergebnis der Konferenz ab.

1880: Bayern und Preußen setzen weitgehend identische Schulorthographien in Kraft (Preußen: "Litteratur", Bayern: "Möve"). Die preußische beruht auf den Regeln des Hersfelder Gymnasialdirektors Konrad Duden.

1901: Zweite Orthographische Konferenz in Berlin, mit dem einzigen Ziel der Vereinheitlichung. Vorlage: Wilhelm Wilmans, Bonn. Verabschiedet ein (bis heute) verbindliches amtliches Regelwerk für Deutschland und Österreich, dem sich 1902 auch die Schweiz anschließt.

1902: Neubearbeitung von Dudens Rechtschreibwörterbuch im Lichte des gerade in Kraft tretenden Regelwerks (7. Auflage).

1903: "Buchdrucker-Duden", auf Wunsch des graphischen Gewerbes, dem die relativ allgemein gehaltene amtliche Regelung zu viele Varianten gelten ließ.