Der Himmel, der große amerikanische Himmel, wölbt sich noch immer weit über Long Island, am Ende sanft und grau mit dem Meer verschmelzend. Die jungen Männer, die sich mit dröhnenden Stimmen durch die Hotelhalle schieben, das Sonntagsjackett zum Platzen gespannt, scheinen eine Kuh mehr pro Jahr zu vertilgen als früher: "Beefy", wie man sie hierzulande nennt, Riesenkälber, wie General de Gaulle gesagt hätte.

Die Glockenspiele von St. Patrick schweben über die ruhige Brandung des Verkehrs zu dem Turmhaus herüber, in dem der Chronist Quartier nahm, wie es immer am Sonntagmorgen gewesen ist. Noch immer wiegt die Ausgabe der New York Times ein Kilo (oder mehr), mit Serien ganzseitiger Farbanzeigen und in ihrer Weltfülle prangend.

Aber die Berichte der Korrespondenten und die Analysen der Redakteure signalisieren nichts von solch berstender Gesundheit. Sie sind vielmehr Spiegel eines Zweifels, der sich von Jahr zu Jahr tiefer in die Seele - nein, nicht des Volkes, aber der Elite in den intellektuellen Zitadellen der Ostküste einzufressen scheint.

Über vier der Präsidenten, die den Weg der Weltmacht in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts bestimmten, neigt sich der prüfende Blick. Von Bill Clinton sagt die Kolumne des Hauptstadtreporters Adam Clymer, er studiere jeden Morgen zuerst die Ergebnisse der jüngsten Umfragen zu den anstehenden Entscheidungen. Über die fragwürdige Gewohnheit habe der Chef der Nation in einem Anflug von Selbstironie bemerkt: "Ich lese meine Biographie für den Tag voraus."

Miss Paula Corbin Jones, die Dame aus Little Rock, der man ohne Übertreibung einen Stich ins Ordinäre nachsagen darf, hat das Ansehen des Präsidenten bis jetzt nicht ins Wanken zu bringen vermocht. Aber sie bewirkte, daß in aller Öffentlichkeit über Besonderheiten der Geschlechtswerkzeuge des Staatsoberhauptes diskutiert wird, weil nur sie den Beweis erbringen (oder auch nicht), ob der einstige Gouverneur von Arkansas der einstigen Regierungsbediensteten mit dem üppigen Haarwuchs ("big hair") zu nahe getreten ist.

Seymour M. Hersh, der Sensationsdetektiv im Gewande des Journalisten, warf unterdessen ein Buch mit der Erstauflage von 350 000 Exemplaren auf den Markt, in dem er den sexuellen Eskapaden von John F. Kennedy hinterherhechelt.

Dem unschuldigen Leser in Independent, Missouri, oder in Sugar Bush Valley, Vermont, drängt sich die Frage auf, ob der Wille zur Macht sexsüchtig oder der Sexhunger machtlüstern mache. Zwar scheiterte Mr. Hershs aufgeregter Anlauf, eine Verbandelung des Fürsten von Camelot mit Marilyn Monroe nachzuweisen doch seine Ermittlungen über das Privatleben Kennedys, auch wenn sie das Absurde streifen, werfen einen Schatten auf den klugen und besonnenen Staatsmann Kennedy, wie er uns in den Tonbandmitschnitten von den Beratungen während der dramatischen Tage der Kubakrise begegnet. Die Generäle wollten damals nicht fackeln, mit dem nuklearen Knüppel loszuschlagen - der Präsident und sein Bruder Bobby aber suchten und fanden einen Weg des Friedens.