Mit dem Versteckspielen in München ist seit Beginn dieser Woche Schluß: BMW-Chef Bernd Pischetsrieder bestätigte klipp und klar sein Interesse am Kauf des britischen Luxuswagenherstellers Rolls-Royce. Allerdings will Pischetsrieder nur dann zugreifen, wenn der Preis stimmt - ein sicherer Hinweis darauf, daß die bisher genannte Summe von gut einer Milliarde Mark den Münchnern zu hoch erscheint. Freilich kommt als möglicher Käufer nicht nur der BMW-Konzern in Frage (zu dem bereits der englische Produzent Rover gehört) ein halbes Dutzend Unternehmen, darunter auch Daimler-Benz, sollen mit im Rennen sein.

Viel spricht dafür, daß BMW zum Zuge kommt - vor allem bereits bestehende Verträge. Für die nächste Modellgeneration von Rolls-Royce und der Schwestermarke Bentley liefert BMW vom Frühjahr 1998 an die Acht- und Zwölfzylindermotoren. Auch Bremsen, Airbags, Sitze und viele elektronische Komponenten kommen vom Münchner Konzern, so daß die Wertschöpfung eines Rolls-Royce künftig etwa bis zur Hälfte von BMW stammen wird.

Die Gewinne von Rolls-Royce in den Jahren seit 1993 - zuvor wurden tiefrote Zahlen geschrieben - rechtfertigen nur einen Kaufpreis von kaum mehr als 500 Millionen Mark, sofern sie auch in Zukunft erwirtschaftet werden können. Doch Garel Rhys, Autoprofessor an der Cardiff University, ist sicher, daß erheblich höhere Profite möglich sind. Die Produktion könnte mit dem gerade installierten ersten Fließbandsystem in der Rolls-Royce-Historie glatt auf 4000 Automobile jährlich erhöht werden. Und bessere Absatzkanäle, wie sie BMW zur Verfügung stehen, könnten auch deren Verkauf realisieren 1996 erwarben die Reichen dieser Welt gerade mal 1744 Karossen aus Crewe.

Die IG Metall kommt nicht recht zur Ruhe. Erst sorgte Gewerkschaftschef Klaus Zwickel mit seiner Forderung nach der 32-Stunden-Woche für internen Streit, dann mit der Ankündigung, in der Lohnpolitik sei "die Zeit der Bescheidenheit vorbei". Nun entzündet sich am Ende September in Nordwürttemberg-Nordbaden gefundenen Kompromiß zur Altersteilzeit neuer Zwist - ausgerechnet an jenem Vertrag also, der als Beweis für die Handlungsfähigkeit der Tarifautonomie gefeiert wurde. Mehrere Bezirke wollen den Pilotabschluß so nicht übernehmen.

Zu vieles sei noch ungeklärt - und manchem Funktionär paßt wohl auch die ganze Richtung nicht.

Die Materie ist verzwickt. Ein Beispiel: Zumeist wird die Altersteilzeit "verblockt" angewendet werden: Die Betroffenen arbeiten einige Jahre voll, einige Jahre dafür gar nicht. Das Gesetz sichert ihnen für die gesamte Zeit ein Einkommen von mindestens siebzig Prozent des Nettolohnes zu. Per Tarifvertrag wurde diese Ziffer auf 82 Prozent erhöht. Nun hat sich aber herausgestellt, daß Arbeitnehmer mit einem Bruttolohn von mehr als 5600 Mark in manchen Steuerklassen womöglich sogar schlechter wegkämen als nach dem Gesetz. Hier soll nun nachgebessert werden - wozu offenbar auch die Arbeitgeber bereit sind.

Daß die Wellen in der IG Metall dennoch sehr hoch schlagen, hat wohl nicht allein mit diesen sachlichen Problemen zu tun. Mancher Funktionär nutzt offenbar die Gelegenheit, den für die Tarifpolitik zuständigen Zweiten Vorsitzenden Walter Riester und seiner Abteilung an den Karren zu fahren. Der geht mit seinem Reformkurs einigen auf die Nerven. So dürfte es kein Zufall sein, daß sich etwa der Hannoveraner Bezirksleiter Jürgen Peters besonders laut über das aktuelle Chaos aufregt. Er gilt schon länger als Rivale Riesters.