Es ist wie bei einer Zwangsehe. Da schlüpft der - immerhin millionenschwere - Bräutigam unter die Decke, die Braut wähnt den Feind im eigenen Bett, macht aber gute Miene zum bösen Spiel und schwärmt im Familienkreis von der großen Liebe. Eine gefährliche Liaison.

So jedenfalls, als "Gängelung", "Erpressung" und "Horrorszenario" beschreiben Filmproduzenten und Förderbürokraten den Einstieg des Fernsehens, vor allem der Privatsender, in die Filmförderung: ein "trojanisches Pferd", mit dessen Hilfe die Sender sich staatliche Finanzierung verschaffen und dazu Einfluß, Stoffe, Talente.

Dabei nimmt sich der Ehevertrag auf dem Papier vorzüglich aus. Zwar läßt die Reform der unselig komplizierten Subventionspraxis mit über zwanzig Fördertöpfen immer noch auf sich warten. Zwar hat sich am Gerangel zwischen Bund und Ländern um das Kino als Wirtschaftsfaktor und Kulturgut nichts geändert. Auch bei der Konkurrenz der Medienstandorte und beim Wanderzirkus der Filmproduktionen bleibt alles beim alten, ebenso im Paragraphendschungel des Filmförderungsgesetzes. An der Allgewalt Hollywoods mit über achtzig Prozent Marktanteil hat sich trotz des neuesten deutschen Kinobooms nichts geändert. Dennoch wurde nie soviel Geld in die Filmförderung gesteckt wie heute, dem Fernsehen sei Dank.

350 Millionen Mark kostet die bundesdeutsche Filmproduktion pro Jahr. Mehr als zwei Drittel dieser Summe stammen aus Fördertöpfen, die von den Sendern neuerdings kräftig aufgestockt werden. Der bayerische FilmFernsehFonds (FFF) hat neben 26,5 Millionen Mark aus Landesmitteln nun zusätzlich 22,5 Millionen unter anderem vom BR, dem ZDF, ProSieben und RTL zur Verfügung.

Geschäftsführer Klaus Schaefer freut sich über die "gestärkte Leistungsfähigkeit" der regionalen Filmwirtschaft: "Die Zeiten der Trennung von Film und Fernsehen sind endlich vorbei." Das bayerische Modell gilt manchen als Königsweg in die Zukunft einer effektiven Subventionspolitik.

Die mächtige Filmstiftung Nordrhein-Westfalen, bei der seit 1992 der WDR mit im Boot sitzt, hat nun auch das ZDF für fünf Millionen Mark als Mitgesellschafter aufgenommen auch ProSieben, Sat.1 und RTL steigen mit ein.

Damit beläuft sich das Gesamtbudget der finanzkräftigsten Länderförderung auf stolze 62 Millionen Mark. Klaus Keil, Intendant des Filmboards Berlin-Brandenburg, bekam im Juli ebenfalls Verstärkung durch drei Sender (ProSieben, Sat.1, ZDF) und kann seitdem 14 Millionen Mark mehr ausgeben. Und Keils Hamburger Kollegin Eva Hubert freut sich über die gute Zusammenarbeit mit NDR und ZDF, die das Fördervolumen der Hansestadt neuerdings von 14 auf 18 Millionen Mark aufstocken. Dieter Kosslick, Geschäftsführer der NRW-Filmstiftung: "Das ist das Ende der klassischen Filmförderung."