Computerprozessoren im Wert von über zwei Millionen Mark verschwanden im Sommer 1993 vom Frankfurter Flughafen. Kurz darauf wurde der Student Peter D.

festgenommen, als er Teile der Beute verkaufen wollte. Nun konnte der Verkäufer nicht der Dieb sein: Der angehende Zahnmediziner D. hatte zwar auf dem Flughafen gejobbt, dabei aber selbst keine Gelegenheit zum Griff nach den elektronischen Schätzen gehabt. Aber seine Mittäter verriet er mit keinem Wort, sondern nahm, als Mann von Ehre, eine lange Untersuchungshaft in Kauf.

Erst als er zu einer Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden war, besann sich Peter D. in zweiter Instanz belastete er seinen früheren Mitstudenten Wolfgang K., mittlerweile promoviert, als eigentlichen Dieb. Peter D. selbst kam daraufhin mit einer Bewährungsstrafe davon, Voraussetzung für die spätere Zulassung als Zahnarzt. Nun wird der 37jährige Dr. Wolfgang K., der seine Unschuld beteuert, vor dem Frankfurter Schöffengericht des Diebstahls angeklagt.

Lässig nimmt der 27jährige Peter D. als Zeuge Platz. Von der Planung des Diebstahls will der große, zur Fülligkeit neigende Mann nichts gewußt haben.

Eines Abends soll sein Freund Wolfgang ihn "einfach so" angerufen und gefragt haben, ob er einen Platz wüßte, wo man mehrere Kartons mit Elektronik unterstellen könne. Er habe sich sofort bei seiner Schwester und deren damaligem Lebensgefährten erkundigt, ob im Keller noch ein Plätzchen frei sei. Dort habe er zusammen mit Wolfgang K. die Kartons untergestellt. "Meiner Schwester habe ich nur gesagt: Das ist so Computerkram, den hole ich bald wieder ab."

"Bedenken hat man ja immer", erklärt der Zeuge, aber ihm seien 20 000 Mark versprochen worden. "Für ein bißchen Aufregung war das viel Geld für mich."

Als er später im Gefängnis saß, habe ihm sein Freund K. gesagt, er, der ertappte Hehler Peter D., müsse nun allein sehen, wie er zurechtkomme - schließlich habe er die Sache auch allein verbockt. "Na ja, ich habe nicht eingesehen, daß ich die ganze Schuld auf mich nehme, und der macht mit dem Geld ein Sonnenstudio auf und lacht sich ins Fäustchen."