Sixtinische Madonna, Meißener Porzellan, Dinglingers Preziosen, Bellottos Veduten, die Akademie, die "Brücke" - Dresden ist Kunst und nochmals Kunst.

Doch auch das literarische Leben blüht hier seit je, und daran erinnert jetzt ein liebevoll gemachtes Buch von Norbert Weiß und Jens Wonneberger: "Dichter, Denker, Literaten aus sechs Jahrhunderten in Dresden" (Verlag Die Scheune, Dresden, 231 S., 34 Mark). Ein Führer durch die Stadt, die Stadtgeschichte, alphabetisch geordnet, auf den Spuren von Johann Christian Günther und Tieck und Erich Kästner. Dabei gibt es viele kuriose Entdeckungen zu machen und manche Erinnerung wird aufgefrischt - an den dänischen Dichter Karl Gjellerup zum Beispiel, Nobelpreis 1917, der seit 1892 bis zu seinem Tod 1919 in Dresden gelebt hat und hier auch, auf dem Friedhof von Klotzsche, begraben liegt. Casanova und Schiller, Herwegh und Kafka - sie alle kamen vorbei, Hegel wohnte 1770 im Haus "Zum blauen Stern". Heißenbüttel hat hier studiert und Fontane in der Salomonisapotheke am Neumarkt seine Lehre gemacht. Weiß und Wonneberger berichten aber auch von unbekannteren Autoren, von dem Dichter und Feuilletonisten Camille Hoffmann etwa, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, oder von dem Kunsthistoriker und Romancier Josef Paul Hodin, der entkommen konnte und wohl im vergangenen Jahr erst in London gestorben ist. Der Band erinnert außerdem an Verlage, Zeitschriften, an allerlei Gruppen, wie zum Beispiel die "Kolonie der 5%" von 1916, zu der auch der wunderbare Bohemien und Dichter Iwar von Lücken gehörte. Ein Lexikon? Ein Lesebuch!