Der Börsenkrach in den südostasiatischen Tigerstaaten, die drastische Abwertung ihrer Währungen - war alles nur ein Vorbeben? Und steht uns die wirklich welterschütternde Vulkan-Eruption erst bevor: in Japan?

Seit Beginn der Krise im Juli haben die Tiger-Währungen ein bis zwei Fünftel ihres Werts verloren die Börsenkurse fielen ebenso dramatisch überall mußten die Wachstumserwartungen rüde zurückgestutzt werden. Auch Singapur und Hongkong blieben nicht verschont, was sich wiederum dämpfend auf Chinas Wirtschaft auszuwirken droht. Und jetzt kräuselt sich eine Rauchsäule über dem Fudschijama.

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde siecht kraftlos dahin, seit Ende der achtziger Jahre jene Seifenblasen-Konjunktur zusammenbrach, die auf einer beispiellosen Scheinblüte des Immobilienmarktes und einer spekulativen Börsen-Hausse beruhte.

Binnen fünf Jahren hatten sich damals die Grundstückspreise und die Aktienkurse verdreifacht. Das umwallte Grundstück des Kaiserpalastes in Tokio wurde höher bewertet als ganz Kalifornien. Der Nikkei-Index stieg bis an die Marke von 40 000 Punkten.

Aber dann war es auf einen Schlag mit der Herrlichkeit vorbei. Die jährlichen Wachstumsraten schrumpften auf ein Prozent der Nikkei sank 1992 und 1995 auf 14 000 Punkte die Grundstückspreise in den Geschäftsvierteln fielen auf ein Drittel der Höchstpreise. Viele Schuldner konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen. Angesehene Versicherungsunternehmen, Baufirmen, selbst Großbanken gerieten dadurch in die Nähe des Bankrotts.

Seitdem steht das japanische Finanzsystem auf brüchigem Boden. Die Wirtschaft dümpelt vor sich hin - trotz vieler kostspieliger staatlicher Ankurbelungsprogramme. Sie verpufften alle genauso wirkungslos wie eine Vielzahl von Kommissionsberichten, die den 125 Millionen Japanern den Weg aus der Misere weisen sollten. Das Resultat: Japan könnte heute mit seiner Staatsverschuldung von 85 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und einer jährlichen Neuverschuldung von 5 Prozent die Maastricht-Kriterien nicht erfüllen.

Die Tiger-Krise hat den Japanern jetzt zusätzlich einen harten Schlag versetzt. Über 40 Prozent ihrer Ausfuhren gehen in den südostasiatischen Raum die japanischen Banken sind dort mit 200 Milliarden Dollar engagiert.