Vergleicht man die Wirtschaftskrise in Südostasien mit einem Sturm, dann braut sich derzeit über Japan ein Taifun zusammen. So sehen es jedenfalls die Pessimisten am Finanzplatz Tokio, seit die dortige Börse heftig abgestürzt ist. Die Turbulenzen in den Tigerstaaten seien nicht viel mehr als ein Nebenschauplatz, warnt ein Bericht der Deutsche Morgan Grenfell: "Das wahre Ereignis wird heute für Sie in Tokio vorbereitet."

Die Experten der Deutsche-Bank-Tochter haben damit die Ängste der internationalen Anleger auf den Punkt gebracht: Eine schwere Krise in Japan könnte ungleich ernstere Folgen für die Weltwirtschaft haben. Ist es wirklich so schlimm? Ist die zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Erde tatsächlich auf dem Weg in eine neue Rezession, die unweigerlich in den Vereinigten Staaten und in Europa zu spüren sein wird?

Die Antwort: Es gibt zumindest eine ganze Reihe von beunruhigenden Tendenzen, die solche Befürchtungen nähren. Japans Probleme sind, anders als es die zeitliche Koinzidenz mit dem Währungs- und Börsenchaos der Nachbarländer erscheinen läßt, vorwiegend hausgemacht. Und sie sind massiv.

Im Sommer dieses Jahres kam der erste Schock. Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) war im zweiten Quartal um real 2,9 Prozent geschrumpft, das entspricht einer Jahresrate von 11,2 Prozent. Das bedeutete den schlimmsten Konjunktureinbruch seit der Ölpreiskrise in den siebziger Jahren.

Die Regierung, allen voran Premier Ryutaro Hashimoto, weigert sich trotz dieser Daten hartnäckig, ein wirksames Programm vorzulegen, mit dem die Konjunktur angekurbelt werden könnte. Viele Monate lang hat sie die Flaute mit der Begründung heruntergespielt, der Einbruch sei lediglich eine Folge der zum 1. April angehobenen Verbrauchsteuer.

Ein weiterer Grund der Misere ist die chronische Schwäche der japanischen Banken. Nippons Geldhäuser sitzen seit dem Platzen der bubble economy Anfang der neunziger Jahre auf einem Berg notleidender Kredite: schätzungsweise 250 Milliarden US-Dollar. Das zwingt die Banken zu einer zurückhaltenden Kreditvergabe. Eine steigende Anzahl von Bankrotten ist die direkte Folge.

Der gewaltige Schuldenberg droht Japans Wirtschaft nun in die Stagnation oder sogar in eine erneute Rezession zu treiben. Denn sobald die Börse sinkt - der Nikkei-Index ist bereits seit Juni vergangenen Jahres auf Talfahrt -, fallen auch die Vermögenswerte der japanischen Banken. Aufkommende Zweifel an ihrer Solvenz zwingen die Banken, ihre Verluste durch den Abstoß weiterer Aktien einzudämmen.