Früher war das Regieren hinter dem Eisernen Vorhang noch leicht.

Widerspenstige wurden zu ihrem sozialistischen Glück notfalls gezwungen, und Streitigkeiten über die Blockzugehörigkeit der Bruderstaaten wurden nicht mit Argumenten, sondern mit Panzern ausgetragen. Heute ist das anders. Um die Ungarn von den Vorteilen des Nato-Beitritts zu überzeugen - am 16. November gibt es dazu ein Referendum -, mußte Budapest sich etwas Neues einfallen lassen. So schmuggelte das Verteidigungsministerium im Sommer einen natobegeisterten Charakter in die populärste ungarische TV-Seifenoper ein: "Oberst Lajos Korda" wurde kurzerhand Nachbar der hauptdarstellenden Fernsehfamilie. Für seinen Einzug zahlte das Ministerium zwar sieben Millionen Forint an die Produzenten, aber die Investition hat sich offenbar gelohnt: Die Nato-Zustimmung im Land ist prompt gestiegen - von 47 Prozent im März auf heute über 70 Prozent.