Selbst Pharaonen sind vor Pleiten nicht gefeit. Wer in der Bibelstunde aufgepaßt hat, kennt die Geschichte. Da hatte sich der Pharao gerade eine schicke Pyramide gebaut. Es ging ihm und seinen Leuten prächtig. Wenn da nicht diese Alpträume gewesen wären. Von sieben fetten Kühen, so steht es im Buch Genesis geschrieben, träumte der Pharao Nacht für Nacht. Und jedesmal erschienen sieben magere Kühe und fraßen ihre fetten Artgenossen kurzerhand auf. Kein schöner Traum, und erst ein gewisser Josef aus Kanaan entschlüsselte die königlichen Horrorvisionen: Auf sieben fette Jahre werden sieben magere folgen.

Das ist lange her, und doch haben sich bibelfeste Ministerialräte im Bundesjustizministerium an genau diese Geschichte erinnert. Überschuldete Privathaushalte sollen künftig nach sieben mageren Jahren wieder eine Chance bekommen. Nach einer solchen Durststrecke, so sieht es das jetzt von Bund und Ländern verabredete neue Insolvenzrecht vor, können die Restschulden erlassen werden.

Mehr als zwei Millionen private Haushalte in Deutschland gelten mittlerweile als völlig überschuldet. Allein in Ostdeutschland wissen über sieben Prozent aller Familien nicht mehr, wie sie Raten, Zinsen und laufende Kosten für Miete, Strom oder Telephon bezahlen sollen. "Überschuldung wird zum Massenphänomen", warnt Ulf Groth vom Förderverein Schuldenberatung in Bremen.

Und Überschuldung ist längst kein Kleineleuteproblem mehr. "Wir haben immer mehr Zahnärzte bei uns sitzen. Das große Heer der weißen Berufe steht dank Seehofers Reformen jetzt vor unseren Türen", sagt Groth. Der Experte aus dem Norden wartet sehnsüchtig darauf, daß das neue Insolvenzrecht im Januar 1999 endlich in Kraft tritt. Dann dürfen auch Privatleute ähnlich wie Unternehmen Konkurs anmelden.

Bisher zahlen private Schuldner häufig bis an ihr Lebensende, weil nach dem noch gültigen Recht Gläubiger mindestens dreißig Jahre Zeit haben, ihre Forderungen einzutreiben. Die Schuldnerberater von der Caritas oder den Verbraucherverbänden berichten von tragischen "Karrieren". Selbst wer sich redlich bemüht, seine Verbindlichkeiten zu bedienen, taumelt bisher häufig in den Abgrund. Da ist beispielsweise der geschiedene Werkzeugmacher, dem schon seit 25 Jahren ein Teil seines Gehaltes gepfändet wird: 150 000 Mark betrug ursprünglich seine Bürgschaftsschuld, über 350 000 Mark hat er bereits abgezahlt - und dennoch ist sein Schuldenberg aufgrund des Zinszuwachses noch längst nicht abgetragen.

Das soll sich ändern. Mit einem Verbraucherkonkursverfahren sollen Leute wie der Werkzeugmacher künftig die Chance auf einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Neuanfang erhalten. Der Schuldner braucht dazu allerdings einen langen Atem und gute Nerven. Drei Etappen muß er auf seinem Weg in die Entschuldung hinter sich bringen. So will es die neue Insolvenzordnung.

Bevor der Geplagte einen Antrag auf Restschuldbefreiung stellen kann, muß er zunächst versuchen, sich innerhalb von sechs Monaten mit seinen Gläubigern, meist Kreditinstituten, außergerichtlich zu einigen. Er muß versuchen, verlängerte Ratenzahlungen oder den Erlaß der Zinszahlungen auszuhandeln.