Wilkanów Kann eine Schule die dörfliche Welt verändern? Im polnischen Wilkanów, wo das Hochwasser der Oder im Sommer Häuser und Geborgenheit zerstörte, hoffen die Menschen darauf. Nach Monaten der Unsicherheit haben sie nun Grund zum Optimismus. Der erste Spatenstich für den Schulneubau des Ortes in der ehemaligen Grafschaft Glatz ist getan. In zwei Jahren sollen hier die Kinder nach fortschrittlichen Lehrmethoden und in einem modernen Ambiente unterrichtet werden.

Eine Vision nimmt Gestalt an. Der Bürgermeister von Bystrzyca hatte sie unter dem unmittelbaren Eindruck der Flutkatastrophe für den Ortsteil Wilkanów entwickelt. Damals, vor über vier Monaten, schien das Ziel unerreichbar.

"Früher", sagt Bogdan Krynicki heute, "hatten wir oft gute Ideen, aber kein Geld." Jetzt wird es mit Unterstützung der ZEIT-Fluthilfe möglich, einen dringenden Wunsch in die Wirklichkeit umzusetzen: ein geräumiges Schulhaus, in dem alle Dorfkinder Platz haben werden.

Mit finanzieller Hilfe allein kann Wölfelsdorf, wie der Ort in deutschen Zeiten hieß, den Sprung ans neue pädagogische Ufer jedoch nicht schaffen.

Dazu braucht die Dorfgemeinschaft auch Anstöße und Ermutigung von außen.

Deshalb trafen sich dort kürzlich Fachleute, um ideellen Beistand bei der Verwirklichung des Schulprojektes zu leisten. Schon die Zusammensetzung des Gremiums war das Signal zu einem Aufbruch, der im kommunistischen Polen völlig undenkbar gewesen wäre. Lehrer aus dem tschechischen Dorf Zátor (früher Seifersdorf), wo mit Geldspenden der Leser dieser Zeitung die flutgeschädigte Schule wiederhergerichtet wurde, informierten über ihre Erfahrungen mit einer besonders einfühlsamen, von Psychologen begleiteten Pädagogik. Experten aus Hamburg, Dortmund und Berlin berichteten über die neuesten Entwicklungen im Schulbau und in der Lehrmethodik. Die Politiker und Pädagogen auf der polnischen Seite brachten ihre Träume und Traumen ein.

Leicht wird es nicht werden, mit der Schule einen Hort der Moderne in Wilkanów zu schaffen. Armut und Rückständigkeit prägen das Dorf im Südzipfel Westpolens. Der Veränderungswille der Einwohner dürfte dort ebenso karg sein wie das von ihnen bestellte Land. Deshalb müssen Eltern, Lehrer und Gemeinde erst einmal auf den Fortschritt verpflichtet werden. Eine Kommission der Dorfbevölkerung wird deshalb vom nächsten Monat an nicht nur den architektonisch-pädagogischen Rahmen entwikkeln, sondern auch den geistigen Boden für die Schule bereiten.