Für Rolien van Duijvendijk aus Rotterdam ist der deutsche Kommissar ein freundlicher alter Trottel, "so ein trivialer Gutmensch". Indessen sind alle Zeitungen voll und heult halb Holland, weil ein Fernsehheld verschwinden will. Es herrscht Derrick-Dämmerung in den niederen Landen.

Eine schier unendliche Reihe von schönen Stunden soll nach der 281. Sendung irgendwann im nächsten Jahr zu Ende gehen. Und der Mann, der immer so bescheiden auftrat, sein bayerisches Bier trank, den BMW lenkte und so vorbildlich das Böse bekämpfte, der beste Derrick aller Zeiten will sich pensionieren lassen.

Ob er den Bildschirm lebend verlassen darf oder ganz zum Schluß noch um die Ecke gebracht wird, ist nur eines der ungelösten Rätsel. Die Tatsache, daß unsere niederländischen Nachbarn, die oft aus guten Gründen die Teutonen lieber gehen als kommen sahen, dieses Mal beim angekündigten Abschied zu den Taschentüchern greifen, ist mindestens genauso mysteriös.

Was das alles wirklich zu bedeuten hat, wird (so würde der Herr Oberinspektor sagen) irgendwann der Staatsanwalt beurteilen. Inzwischen gilt es, Fragen zu stellen und Spuren zu sichern.

Was also macht unseren Derrick zu einem besonders beliebten Deutschen? "Er ist ein Gentleman", sagt Gerard van Duijvendijk, Roliens Vater, der sich als Amtsrichter in dem Milieu auskennt, "immer ordentlich gekleidet mit jasje en dasje (Jackett und Krawatte). Er ist großzügig, weil er selbst- und mühelos die Verdienste seines Assistenten Harry anerkennen kann."

"Er ist höflich. Er ist zuverlässig. Er kann zuhören. Er respektiert seine Mitmenschen", erklärt Frans van Nynatten, 35. Der Vorsitzende des Amsterdamer Derrick-Fanclubs "Dem Mörder keine Chance" schätzt den alten Inspektor, weil er keinen verurteilt, nicht einmal den schrecklichsten Verbrecher. "Und wenn er mal sauer ist, flucht er nicht. Er schreit auch nicht brutal in der Gegend rum, sondern legt höchstens seine Stirn in Falten und sagt leise: ,Ich komme damit nicht zurecht.'"

Pim van Malssen, ein siebzehnjähriger Derrick-Experte aus Delfzijl, stellt fest: "Derrick war immer schon da. Er strahlt eine große Ruhe aus, spricht langsam und deutlich und wird unter allen Umständen die Würde des Menschen achten. Für Derrick bleibt selbst der Mörder ein Mensch."