Im kleinen Golfstaat Qatar gibt es nicht viele Hotels. Deshalb sollen die Teilnehmer der Nordafrika- und Nahost-Wirtschaftskonferenz in der kommenden Woche auch auf schwimmende Luxusherbergen ausweichen. Ganz in der Nähe kreuzen derweil amerikanische Kriegsschiffe - wegen des Konflikts mit dem Irak. Ein Szenario, das einmal mehr die besondere Verquickung von Wirtschaft und Politik in dieser Region beweist.

Nach Casablanca 1994, Amman 1995 und Kairo 1996 treffen sich nun in Doha zum viertenmal Wirtschaftsvertreter und Politiker aus der arabischen Welt, aus Israel und den wichtigsten Industrienationen. Es geht dabei um die "Schaffung einer neuen privat-öffentlichen Partnerschaft für Handel und Wachstum nach dem Jahr 2000". Auch dieses Mal werden der Irak, der Iran, Syrien, Libanon und Libyen demonstrativ fernbleiben - alles Länder, die im Konflikt mit den Vereinigten Staaten stehen. Aber auch die Teilnahme anderer Länder ist noch mehr als ungewiß. Daß diese Konferenzen nicht zuletzt von den Amerikanern initiiert werden, um Israel stärker in den Nahen Osten einzubinden, hatte von Anfang an viele Araber gestört.

Doch trotz aller Skepsis entwickelten die Treffen eine eigene Dynamik.

Casablanca, wo Araber und Juden - begleitet von internationalem Applaus - miteinander redeten, war von der Politik dominiert. Damals hatte Israels Außenminister Schimon Peres noch von einer blühenden Region geschwärmt, die anderen Wirtschaftsräumen bald den Rang ablaufen werde. Doch seine Vision hatte in der arabischen Welt die Sorge geweckt, Israel wolle seine Nachbarn künftig wirtschaftlich beherrschen.

Ein Jahr später in Amman hatte man die Konsequenzen gezogen - die israelische Delegation war kleiner und bescheidener, man wollte sich zudem mehr um praktische Geschäfte kümmern. In Hochglanzbroschüren wurde für gemeinsame Projekte zwischen einst verfeindeten Nachbarn geworben. Davon ist bisher allerdings nur wenig verwirklicht worden. Auch die ehrgeizigen Pläne für eine Entwicklungsbank im Nahen Osten sind längst in den Schubladen verschwunden.

Der Nutzen einer solchen Konferenz liegt inzwischen woanders. Von "vertikaler" statt "horizontaler" Kooperation ist die Rede. Konkret bedeutet das, daß die einzelnen Länder viel mehr um die Gunst der ausländischen Investoren miteinander konkurrieren. 1996 hatten die Ägypter die Resultate der Kairo-Konferenz als großen Erfolg gefeiert. Wirtschaftliche Vereinbarungen in Höhe von insgesamt zehn Milliarden Dollar seien zwischen Regierungsdelegationen und Geschäftsleuten abgeschlossen worden. Der Löwenanteil ging dabei an die Gastgeber. Für ein Land wie Ägypten mit einem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von 720 Dollar pro Kopf ist das ein Riesenerfolg.

In diesem Jahr gehören nun ausgerechnet die Ägypter zu den heftigsten Kritikern der Konferenz. Sie wollen ihre Teilnahme in Doha bis zum letzten Moment von Fortschritten im Friedensprozeß zwischen Israel und den Palästinensern abhängig machen. Freilich stand es um die Beziehungen zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und PLO-Chef Jassir Arafat nicht sehr viel besser, als die Welt nach Kairo geladen war. Auch Qatar will sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, drei Tage lang die internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.