Immer wieder gibt es Dinge, die zum Nachdenken zwingen. Zum Beispiel einen neuen Elektrorasierer namens ES 883.

In der ZEIT (Nr. 17/96) hatte Frank Drieschner überzeugend dargelegt, daß der Elektrorasierer ein Werkzeug sei, das technisch nicht mehr zu verbessern ist.

Aller Aufwand, den die Ingenieure treiben, sei letztlich nur Design und ernsthaft Neues nicht mehr möglich. Nun ist ES 883 ein wenig anders als die anderen: Er wird von einem Linearmotor angetrieben. Wie der Transrapid, insoweit. Elektromagneten wechseln ihre Polarität, und der Scherkopf folgt ihnen - er schwingt viel schneller als ein herkömmlicher. Wird der Strom aus den Akkus schwächer oder trifft der Scherkopf auf Bartwiderstand, dann registriert ein Photosensor die leichte Verlangsamung und regelt den Motor nach. Tolle Sache.

Nur wozu? Das Ding rasiert nicht gründlicher, nicht schneller und nicht leiser als andere Maschinen.

In einem Linearmotor tritt weniger Reibung auf, was Energie spart - insofern ist ES 883 vielleicht umweltfreundlicher als seine Konkurrenten (was noch nachzumessen wäre) teurer als die meisten ist er allemal. In jedem Fall wendet jemand, der Rasierklingen benutzt, weitaus weniger Energie auf. Wer also soll an diesem Transrapid unter den Rasierern ein besonderes Interesse haben?

Das hat sich wohl auch die Firma gefragt, die den ES 883 unters Volk bringen will. Sie hat sich eine Referenzstrecke einfallen lassen: die Gesichter der deutschen Fußballnationalmannschaft. Anders als im Falle des Transrapid bezahlt also der Hersteller die Werbemaßnahme.

Und was im Kleinen vernünftig ist, ist es vielleicht auch im Großen.