Auf der imaginären Weltkarte Hollywoods ist Tibet an jene Stelle gerückt, an der bis in die achtziger Jahre Vietnam lag. Kein Land, eher ein Traum.

Zumal es sich sehr filmisch in einem einzigen Menschen verkörpert, dem Dalai Lama. Dessen ganze Lebensgeschichte will Martin Scorsese ("Kundun") im nächsten Jahr erzählen. Hier aber kommt, angerichtet von der bewährten Hand Jean-Jacques Annauds ("Der Name der Rose"), schon mal die Vorspeise: "Sieben Jahre in Tibet" oder Ein Enzian blüht am Himalaja. Den Dalai Lama sehen wir gleich am Anfang, doch dann erst wieder nach einer Stunde. So lange nämlich braucht der großdeutsche Bergsteiger Heinrich Harrer, um hakenkreuzschlagend von Graz hinauf zum Nanga Parbat, hinunter in ein englisches Kriegsgefangenenlager und quer durch die Berge hinüber nach Lhasa zu kommen.

Dann ist der Film endlich da, wo er hinwill: stolze Mauern, steile Gipfel, weite Täler, alles recht hübsch in den Anden und in Kanada photographiert.

Nur schade, daß die bösen Chinesen der Freundschaft zwischen dem blonden "Henrig" (Brad Pitt, unser Bild) und dem jungen Dalai ein verfrühtes Ende setzen. Sonst könnten die Baßgeigen und die Sonnenuntergänge ewig weiterdröhnen, und in Tibet, egal, wo es liegt, hörte die Kindheit nimmermehr auf. Eine Vorspeise, wie gesagt. Mehr davon, aber besser!