Darauf haben wir schon immer gewartet. Schluß mit dem Luxus. Schluß mit all diesen sündhaft teuren Hotels. Nicht mehr die Wahl, ob es nun ein Zimmer mit Blick auf den Park sein soll oder nicht, ob mit Dusche oder doch eher mit Badewanne. Kein langes Nachdenken mehr, ob man vor dem Essen in die Sauna, ins römische Dampfbad oder doch nur in den Trimmdich-Raum geht.

Petershagen macht Übernachten endlich wieder leicht. Statt sich im Luxus zu verlieren, konzentriert man sich hier auf das Wesentliche: auf Bettstatt und Schrank, Tisch und Stuhl, Waschbecken und Toilette. Mehr nicht. Keine Minibar mit sündhaft teuren Getränken, kein Fernseher mit unnützen Programmen, keine monströsen Tagesdecken. Statt dessen garantierter Erholungswert. "Rast im Knast" heißt die Devise in Petershagen, auf die unsereiner schon lange gewartet hat. Die ehemaligen Zellen des früheren Amtsgerichts in der westfälischen Stadt standen nutzlos leer. Nun dürfen es sich Urlauber hier bequem machen. Kahle Wände, ein vergittertes Fenster, Etagenbett, Stuhl, alte Bundeswehrspinde. Was der Mensch eben braucht, egal ob Mörder, Dieb oder Reisender. Was dem einen bittere Strafe war, ist dem anderen nun Erholung pur, ohne unnötige Ablenkung.

Drei Einzelzellen und eine Sechs-Mann-Zelle stehen für abenteuerlustige Reisende zur Verfügung. Sechzig Mark kostet die Nacht für zwei Personen in der Doppelzelle, sparsamer nächtigt man im Sechser-Knast. Wer Wert auf Bettwäsche legt, muß noch mal sechs Mark löhnen. Den Schlüssel dürfen die Gäste allerdings über Nacht behalten - sie holen ihn in der Kneipe ab, die in der ehemaligen Knastwärterwohnung untergebracht ist.

Ein junges Essener Ehepaar hat hier schon seine Hochzeitsnacht verbracht. Es kommt eben auf anderes an als auf Duschhaube oder Pay-TV, zumindest bei Frischverliebten.

Für andere Besucher hat die Rast im Knast aber durchaus auch ihre Vorzüge.

Wer durch die kalte Stahltür den Raum betritt, kann sich direkt ins Bett plumpsen lassen, alle unnötigen Wege entfallen dank der Zellengröße.

Und wer morgens mal wieder unentschlossen vor der Garderobe steht und nicht weiß, ob es das kleine Graue oder das große Grüne sein soll, dem kann geholfen werden: Es ist zwar eher als Spaß gedacht, aber wer unbedingt will, kann vielleicht auch die eigens genähte Sträflingskleidung ausleihen und anlegen. Schwarzweiß gestreift, mit der Postleitzahl von Petershagen als Gefangenennummer auf dem Rücken.