Manche Branchenkenner hatten schon die längste und härteste Übernahmeschlacht in der Fernmeldegeschichte erwartet. Doch der Kampf um MCI, den zweitgrößten Fernmelder in den Vereinigten Staaten, endete Anfang der Woche schneller als gedacht: Das Unternehmen akzeptierte überraschend ein nochmal verbessertes Angebot von Worldcom, dem aufstrebenden Telekomkonzern aus der amerikanischen Provinz (ZEIT Nr. 42/97).

Der Deal dürfte dennoch in die Wirtschaftsannalen eingehen: Worldcom legt insgesamt 36,5 Milliarden Dollar für MCI auf den Tisch - die größte Summe, die jemals für ein Unternehmen gezahlt worden ist. Der stolze Preis ist wohl der Hauptgrund dafür, daß sich MCI für Worldcom entschied und nicht für den lokalen Telekomkonzern GTE, den anderen Bieter. Denn ursprünglich hatte die Firma des ehemaligen Basketballtrainers Bernard Ebbers nur 41 Dollar pro Aktie geboten - nicht entscheidend mehr als die Konkurrenz. Kaum jemand erwartet, daß GTE jetzt noch einmal nachlegt.

Die Fusion drohte freilich bis zuletzt am Widerstand des britischen Telephonkonzerns BT zu scheitern. Dessen Fusion mit MCI galt bis Anfang Oktober noch als ausgemachte Sache. BT erhält jetzt sieben Milliarden Dollar für jenen Anteil von zwanzig Prozent, den es bereits an MCI besitzt. Dazu kommt ein extra Trennungsgeld von 465 Millionen. Insgesamt haben die Briten damit 2,25 Milliarden Dollar an ihrer Partnerschaft mit MCI verdient.

Ob das Geschäft für die MCI-Aktionäre genauso lukrativ ist, muß sich noch zeigen. Denn sie erhalten kein Bargeld, sondern Worldcom-Aktien. Zwar ist das Papier derzeit ein Börsenliebling, auch wenn es in den vergangenen Wochen etwas an Wert eingebüßt hat. Doch gerade deswegen ist es äußerst anfällig, wenn die Kurse an den Börsen mal wieder den freien Fall üben.

Die Fernmeldekunden dürften von dem Zusammenschluß dagegen profitieren. Mit MCI Worldcom, so der Name des neuen Unternehmens, entsteht zum erstenmal ein Anbieter, wie er den Autoren des neuen amerikanischen Telekommunikationsgesetzes vorschwebte. Denn er offeriert alle wesentlichen Dienste: Ferngespräche, lokale Telephonate, Mobilfunk und Datennetze. MCI Worldcom ist auch ein ernsthafter Konkurrent für AT&T, der Nummer eins des amerikanischen Fernmeldemarktes. Die beiden Unternehmen werden gemeinsam 30 Milliarden Dollar im Jahr umsetzen und 25 Prozent der Ferngespräche abwickeln. AT&T kommt auf 52 Milliarden beziehungsweise 50 Prozent.

Deswegen dürfte die Fusion nicht lange die einzige ihrer Art bleiben: Die Konkurrenz muß nachziehen. Vor seinem MCI-Angebot hatte GTE beispielsweise mit AT&T über einen Zusammenschluß diskutiert. Andere Kombinationen sind ebenfalls denkbar: AT&T verhandelte auch bereits mit SBC Communications, einer der größten regionalen Telephongesellschaften Amerikas.

Auch international könnte die Elefantenhochzeit zu neuen Allianzen führen.