SANKT AUGUSTIN. - Vor mehr als zweitausend Jahren beschrieb der griechische Geschichtsschreiber Thukydides das "megarische Psephisma": Athen als die damals bedeutendste Wirtschaftsmacht im Mittelmeerraum belegte 433/432 v. Chr. seine Nachbarstadt Megara mit einem "Psephisma", dem wahrscheinlich ersten Handelsembargo der Geschichte.

Verhängt worden war dieses "Psephisma", weil der athenische Staatsmann Perikles auf Drängen der konservativen Opposition zum Nachweis seiner staatsmännischen Fähigkeiten ein Exempel gegenüber der aufmüpfigen Kleinstadt Megara statuieren wollte. Doch die Megarer suchten Hilfe bei den Spartanern, und das Embargo wurde einer der unmittelbaren Auslöser des Peloponnesischen Krieges - an dessen Ende Athen als großer Verlierer dastand. Das Handelsembargo erwies sich also schon damals als ein untaugliches Mittel der auswärtigen Politik.

Das gilt auch für das langjährige US-Wirtschaftsembargo gegen Kuba. Seit dem Frühjahr 1996 sieht das Helmes/Burton-Gesetz zusätzlich vor, Länder und Firmen, die mit Kuba Handel treiben oder dort investieren, mit einschneidenden Sanktionen zu belegen. Zwar ist die Anwendung des Gesetzes ausgesetzt, doch sein politischer Schaden ist groß. Selbstverständlich wollen sich weder Lateinamerikaner noch Europäer vorschreiben lassen, mit wem sie Handel treiben dürfen.

Daß es ausgerechnet wegen Kuba zu dieser Mißstimmung kommt, ist ärgerlich, denn Fidel Castro verweigert um der Erhaltung der eigenen Macht willen seinem Land die notwendigen wirtschaftlichen und politischen Reformen. Nachdem das US-Embargo jahrelang zum festen Schulterschluß zwischen Kuba und der Sowjetunion beitrug, sollte seine Verschärfung die USA und ihre Partner jetzt nicht in einen unnötigen Zwist stürzen.

Das kubanische Psephisma könnte durch andere, wirksamere Mittel ersetzt werden, die Washington auch schon gegenüber Moskau und Peking mit Erfolg eingesetzt hat. Die Eröffnung von Fast-food-Restaurants wäre beispielsweise eine wirksame "subversive"Maßnahme, die gewiß auch auf Kuba ihre Wirkung im Sinne der Einführung westlichen Lebensgefühls entfalten würde. Damit könnte Bill Clinton dann gelingen, was dem großen Perikles nicht glückte: einen lästigen Kleinstaat zermürben, die eigenen Interessen durchsetzen und doch mit den Partnern weiter in Frieden leben.

Wilhelm Hofmeister ist im Arbeitsbereich Internationale Zusammenarbeit der Konrad-Adenauer-Stiftung tätig.