Wer es nicht selbst erlebt hat, kennt es zumindest vom Hörensagen: Zu Zeiten der DDR war Service ein Luxus. Nach kapitalistischen Maßstäben ein Paradox, denn er war weder besonders teuer, noch fehlte es an Personal. Aber Service paßte einfach nicht zum real existierenden Sozialismus, so schien es jedenfalls. Im Restaurant hatte der sogenannte Gast zu warten, bis er "plaziert" wurde, auch wenn jede Menge Plätze leer standen. Die Devise hieß: Der Ober ist der Vorgesetzte des Gastes.

Die Muffigkeit des meist üppig herumstehenden Bedienungspersonals war sprichwörtlich. Blanker Hohn war es auch, wenn die DDR-Mitropa damit warb, sie biete "erstklassige Gastronomie präsentiert durch qualifiziertes Personal in den Speisewagen". Planerfüllung allein spornte die Restaurantbrigaden nicht gerade zur Freundlichkeit an (und die Reisenden packten ohnehin vor Antritt der Bahnfahrt ihre Butterstulle ein).

Da hat sich einiges geändert, und das fällt vor allem Besuchern aus dem Westen auf. Die wissen es zu schätzen, im Restaurant kompetent bedient zu werden, auch in der Hochsaison und zu Spitzenzeiten. Zu Hause wimmelt es von inkompetenten, überforderten Aushilfskräften, die vielleicht gerade noch einen lieblichen von einem sauren Wein zu unterscheiden wissen - und plötzlich weiß die Bedienung in Ossiland den richtigen Wein zu empfehlen, serviert zuvorkommend, zerlegt den Fisch fachgerecht, ist sich für keinen Gang zu schade - freundliches Lächeln inbegriffen. Deutschlands Osten, die neue Service-Oase?

Daran ist zumindest so viel richtig, daß in den neuen Bundesländern Hotelgewerbe und Gastronomie als Beschaffer von Arbeitsplätzen immer wichtiger werden. Es hat sich herumgesprochen, daß Ferien an der Ostsee, im Erzgebirge oder an der Mecklenburgischen Seenplatte keine Expedition ins Unbekannte mehr sind. Die Touristen kommen - endlich. Und die neue Generation von Wirten und Hoteliers hat erkannt, daß man bei Westpreisen nur mit einem Service bestehen kann, der besser ist als im Westen.

Auch der Nachwuchs fehlt nicht. Dafür sorgt schon die große Arbeitslosigkeit, und selbst ein nicht gerade üppiges Monatsgehalt von 2300 Mark für einen gelernten Restaurantfachmann (zu deutsch: Kellner) ist da nicht zu verachten.

So ist das Personal der ostdeutschen Hotels und Restaurants in der Regel vom Ort oder zumindest aus der Gegend. Da es zu Zeiten der DDR im Dienstleistungsbereich keine Ausländer gab, sucht man sie auch heute selbst in der Hochsaison vergeblich.

Also alles paletti? Unsinn, sagen die Einheimischen, bei uns ist noch vieles "Muffel und Grummel". Die Westpreise haben sich durchgesetzt, schimpfen sie, die Ostqualität ist geblieben und die miese Bedienung dazu. Und die guten Erfahrungen der Touristen aus dem Westen mit den ostdeutschen Dienstleistern?