Seit ihrer Gründung verwendet die Bundesrepublik Deutschland einige Mühe darauf, Lohnnachforderungen von Hitlers Zwangsarbeitern abzuwehren. Der Bundestag beschloß Gesetze, um das Millionenheer ehemaliger Arbeitssklaven von Entschädigungen auszuschließen.

Nach 48 Jahren ist dieser Damm nun gebrochen. Das Bonner Landgericht hat einer israelischen Staatsbürgerin, die einst in Auschwitz Granatzünder für die Wehrmacht zusammenschrauben mußte, 15 000 Mark Sklavenlohn zugesprochen.

(Alle weiteren Klägerinnen wurden abgewiesen, weil sie schon entschädigt worden waren - allerdings wegen ihrer Gesundheitsschäden aus der KZ-Zeit.)

Wenn das Urteil rechtskräftig wird, kann die Bundesregierung nicht länger behaupten, Lohnnachzahlungen für Zwangsarbeiter seien als Reparationen anzusehen, wie sie nur einzelne Staaten an andere Staaten zahlen müßten.

Deutschlands ehemalige Kriegsgegner hätten darauf aber längst verzichtet.

Der Vorsitzende Richter der Bonner Zivilkammer appelliert nun an den Bundestag, eine politische Lösung zu suchen. Denn die letzten ehemaligen Zwangsarbeiter sterben schneller, als die Gerichte Recht sprechen können. Die Grünen schlagen vor, eine Bundesstiftung zur Entschädigung von Zwangsarbeitern einzurichten. Bislang sind solche Vorstöße im Bundestag immer gescheitert. Das Bonner Urteil legt eine Neubewertung nahe.