Niemals wird Gerhard Pilati diese Tetra-Packung fettarme Milch vergessen.

Er trank gerade daraus, als der Anruf kam: Seine Frau hatte soeben Drillinge geboren. Pilati hatte den Milchkarton angestarrt - er wog soviel wie Jeany, das fettärmste der drei Mädchen.

760 Gramm Leben nach einer Schwangerschaft von nur 28 Wochen, die beiden anderen Mädchen wogen auch nicht viel mehr. Aber alle drei waren gesund, Gott sei Dank, denn: "Sonst hätten wir uns die Kugel geben müssen."

Der Grund für Pilatis dramatischen Satz sind Liza, Lina und Lena, die drei blonden "Sonnenscheinche", die gerade durchs Wohnzimmer hüpfen. Es sind ebenfalls Drillinge. Sabine Pilati aus Schornbach bei Stuttgart hatte zum zweiten Mal Drillinge zur Welt gebracht, sechs Kinder in vier Jahren!

Das ist ungewöhnlich, aber nach der Statistik ab und zu fällig. Seit Mitte der achtziger Jahre steigt die Zahl der Drillingsgeburten in Deutschland kontinuierlich. Dem Statistischen Bundesamt zufolge bringen derzeit pro Jahr um die 260 Frauen Drillinge zur Welt. Seit 1980 hat sich die Zahl verdreifacht. Kam früher eine Drillingsgeburt auf etwa 10 000 Entbindungen, so heute schon eine auf etwa 3000.

Solches Familienglück ist zwiespältig. Der Mehrlingszuwachs in dieser Dimension ist in der Regel nicht gewollt. Zurückzuführen ist er vor allem auf Hormonbehandlungen. Helga Grützner, die in Darmstadt den ABC-Club gegründet hat, eine Selbsthilfe-Initiative für Familien mit Mehrlingen, schätzt, daß mehr als drei Viertel der "höhergradigen Mehrlingsgeburten" (Drillinge, Vierlinge vor allem) Folgen von Fruchtbarkeitstherapien sind.

Die Hormontherapie ist die wichtigste Therapie. Bei Hormongaben, die die Reifung der Eizelle stärken sollen, ist aber eine exakte Dosierung schwer. Es können - was manchmal sogar erwünscht ist, da es auch die Chance der Befruchtung vergrößert - mehrere Eizellen reifen. Und dann entstehen, wenn mehrere Eier befruchtet wurden und sich alle (statt nur eines, wie gewünscht) in der Gebärmutter einnisten, Mehrlinge leicht.