Der Bremer Theatertod kann nicht sterben. Jedes Jahr zappelt & rappelt er wieder. Was machen die Leute an der Weser nur falsch? Sie hängen 1994 dem neuen Intendanten, Klaus Pierwoß, der dem darniederliegenden Theater zu Hilfe eilt, den Brotkorb so hoch, daß er eigentlich gleich wieder abhauen müßte: vierzehn Millionen einsparen bei einem Etat von rund vierzig Millionen Mark.

Einen sturen Kämpfer fürs Theater ärgert das, stört ihn aber nicht. Wird der künstlerische halt auch sein eigener kaufmännischer Geschäftsführer. Und vertraut auf das vom Senat bekräftigte "Rationalisierungsgutachten" von 1981.

Das garantiert fürs Musiktheater 34 Künstler. Heute sind es gerade noch 18.

Der Opernchor schrumpft von fest zugesicherten 64 auf 46 Sänger, das Schauspiel von 35 auf 20, das Tanztheater von 35 auf ganze 13 Künstler.

Weiter kann es eine kunstbewußte Stadt nicht treiben. Doch. Bremen kann.

Nachdem eine mit erstklassigen Fachleuten des Theaters besetzte, ehrenamtlich arbeitende "Strukturreformkommission" 1996 nicht umhin kann, das Bremer Theater zu loben, hat das arme Ländchen plötzlich ein paar Millionen übrig, um die Beratungsfirma für Großunternehmen, McKinsey (Tagessatz: 6000 Mark), auf das noch immer atmende Theater zu hetzen.

Zweieinhalb Stunden opfern die Sparkommissare doch tatsächlich, um sich ein Vier-Sparten-Theater mal eben anzuschauen. Dann kommen sie, am Schreibtisch, in unzulässigem Vergleich mit Bühnen anderer Art und Struktur, zu dem forschen Vorschlag, das Theater könne locker 12,7 Millionen einsparen. Als der Intendant anruft und den Satz "Seid ihr denn verrückt?" nicht unterdrücken kann, kürzen die Rechenmeister, die das Kleine Einmaleins offenbar bei Finanzminister Waigel gelernt haben, den Spar-Ansatz auf 6,5 Millionen. So viel zur Seriosität der "Gut"achter.