DIE ZEIT: Herr Uldall, wie kann der Staat auf die Steuerausfälle in zweistelliger Milliardenhöhe reagieren?

GUNNAR ULDALL: Im Haushalt 1997 kann der Bund noch etwas bewegen, und zwar durch weniger Arbeitsmarktausgaben als geplant und Sparerfolge im Haushaltsvollzug. Wir werden außerdem die Tilgungszahlungen an den Erblastentilgungsfonds strecken, wie auch 1998. Das ist zu verantworten, weil die tatsächlichen Tilgungen - aufgrund höherer Bundesbankgewinne - über dem ursprünglichen Plan liegen.

ZEIT: Wollen Sie auch die Zinsen aus den Bundesbankgewinnen finanzieren?

ULDALL: Nein. Die werden auf jeden Fall vom Bund aufgebracht. Die Struktur des Haushaltes 1998 wird durch höhere Einnahmen aus der Telekom-Privatisierung und Entlastungen im Bereich der Treuhand-Nachfolgeorganisationen verbessert. Davon abgesehen zeigt sich erneut, daß wir eine grundlegende Steuerreform benötigen. Steuerliche Vergünstigungen werden unkontrolliert in Anspruch genommen, die Steuereinnahmen sind kaum noch planbar.

ZEIT: Nach ihrer ganzen Philosophie müßte die Koalition sich doch über diese Senkung der Steuerquote freuen, weil dann massenhaft in Deutschland investiert wird?

ULDALL: Es geht nicht allein darum, die Steuern irgendwie zu senken. Die Steuerentlastungen müssen gleichmäßig über den gesamten Tarif verteilt sein.

ZEIT: Bestimmte Kreise entlasten sich selbst?