Wilfried Herz: "Die Steuern, ein Skandal" Uwe Jean Heuser: "Wohlstand für wenige", ZEIT Nr. 44

Die politischen Kinder der vermeintlich "geistig-moralischen Wende" sind groß geworden. Die Folgen sind nicht zu übersehen: Gewalt, Ausländerfeindlichkeit, mehr als vier Millionen Arbeitslose (und das sind nur die offiziellen!), die zunehmende soziale Ungerechtigkeit. Wie kann unsere Gesellschaft angesichts dieser Verhältnisse so quietistisch auf die Nichtpolitik von Kohl und Co.

reagieren? Müssen wir uns alles gefallen lassen? Was wir brauchen, ist geistig-moralische Unruhe, die die Politik zur Veränderung zwingt. Wie das geht, hat Günter Grass kürzlich mit seiner Rede in der Frankfurter Paulskirche deutlich gemacht. Hoffentlich trägt der auf die Wunde gelegte Finger dazu bei, daß die Unruhe wächst. Ulf Cronenberg, Bamberg

Die Steuern, ein Skandal - ganz legal! Wenn der Chef eines Großkonzerns sein Stern-Auto für 100 000 Mark steuerlich als Firmenauto absetzen kann, auch wenn es der Zweitwagen für seine Ehegattin ist - ganz legal, ein Skandal!

Wenn ein Bundespolitiker sich mit der Deutschen Luftwaffe - dienstlich versteht sich - um den halben Globus fliegen läßt und nebenbei damit noch einen Verwandtschaftsbesuch verbinden kann - ganz legal, ein Skandal! Sollte das eine vielleicht etwas mit dem anderen zu tun haben - ganz legal? Wenn ein einfacher Arbeitnehmer seine Fahrt zur Arbeit, sein Arbeitszimmer ...

steuerlich geltend machen will - einfach illegal! Ich weiß, dies gilt mit Einschränkungen. Aber diese Entscheidungen sind schnell durchgesetzt. Warum ist dies bei der sogenannten großen Steuerreform nicht möglich? Haben Politiker und Wirtschaftsunternehmer zuviel gemeinsame Interessen?

Prof. Dr. Wolfgang Fleckenstein,