AHAUS. - Bauer Hermann Lenting sorgt sich um seine Äcker, denn am "Tag X", das ist gewiß, werden sie zu Schlachtfeldern. Sie grenzen direkt an das Brennelemente-Zwischenlager. Von seinem Fenster aus hat der Landwirt freien Blick auf die Stacheldrahtzäune und den dahinter liegenden braunen Kastenbau.

Einen Vorgeschmack bekam Lenting bei den sogenannten Aktionstagen Ende Oktober. "Über die frisch gesäten Felder sind die Demonstranten gelaufen - aber die Polizei noch mehr", berichtet der Bauer kopfschüttelnd und saugt an seinem Zigarillo.

Andererseits: Was sind schon zertrampelte Äcker gegen verbrannte Erde? Er selbst, meint Lenting in seinem gemächlichen westfälischen Tonfall, werde ja längst die Radieschen von unten begucken, wenn sich die Strahlenschäden auswirken. "Aber die Kinder und Kindeskinder!" In ein paar Generationen, fürchtet er, "laufen hier nur noch Idioten rum". Deshalb hat er der Bürgerinitiative erlaubt, am Tag X auf einem seiner Felder ein Camp zu errichten.

An der Wand in Lentings Wohnzimmer hängt ein Ölgemälde seines Gehöfts, im Hintergrund noch grüne Landschaft und ohne Atomanlage. Bis ins 17.

Jahrhundert könne er die Geschichte des Hofs zurückverfolgen: "Wir waren immer hier, das gibt man nicht so leicht auf." Wie viele Gerichtsverfahren er gegen den ungeliebten Nachbarn angestrengt hat, weiß er nicht mehr genau.

Immerhin, einen drei Jahre dauernden Baustopp hat er erreicht.

Wann der Tag X kommt, weiß niemand, nur, daß er näher gerückt ist. Nach dem letzten Castor-Transport ins Zwischenlager Gorleben, der nur im Schneckentempo und mit einem martialischen Polizeiaufgebot ans Ziel kam, kündigten die Betreiber des Kernkraftwerks in Neckarwestheim an, der nächste Transport gehe nach Ahaus (siehe ZEIT Nr. 19/97). Umweltministerin Angela Merkel bekräftigte das, sogar mehrmals, und lobte Ahaus für seine Friedfertigkeit.