Gubener Tuche - Gubener Hüte sind weltbekannt durch ihre Güte Nachdem allein in diesem Jahr ein Bauunternehmen mit 120 Mitarbeitern sowie die letzte Tuchfabrik in der Stadt und schließlich auch noch die Vereinigten Hutwerke Anfang Mai Gesamtvollstreckung beantragt hatten, entschloß sich die Gubener Stadtverwaltung zu einem unkonventionellen Schritt: Sie bat die Bevölkerung um Spenden zum Erhalt der Hutfabrik. Bis jetzt kamen 33 000 Mark zusammen, plus eine der ältesten Briefmarken der Welt: eine One Penny Black.

"Wir haben uns gedacht, eine Demo bei der Landesregierung in Potsdam, das haben die dort alle Woche. Wir fordern nicht nur was, sondern versuchen, uns selber zu helfen", erklärte dazu der parteilose Stadtverordnetenvorsitzende Andreas Eckert.

Guben/Gubin ist in vielerlei Hinsicht ein besonderer Ort: 1945 wurde die Stadt geteilt. Der Marktplatz mit der Hauptkirche und dem Rathaus wurde polnisch, der Bahnhof mit den Fabriken blieb deutsch. Seit der Wiedervereinigung verläuft nun quer zur Hauptstraße auf der Neißebrücke die am massivsten gesicherte Grenze der Welt. Der Polizei sind allein in Gubin vier Banden bekannt, die je nach Bedarf Menschen, Drogen, Waffen oder Tomaten schmuggeln. Anders jedoch als zwischen den anderen deutsch-polnischen Grenzorten gibt es in Guben/Gubin nicht nur Kooperation zwischen den uniformierten Einheiten. Die Politiker beider Stadthälften treffen sich regelmäßig im Gubiner "Rathauskeller". So wurde im Osten bereits ein Klärwerk für beide Kommunen gebaut, auch das Telephonnetz wurde wieder verbunden.

Sogar auf die Zugehörigkeit zum sorbischen Siedlungsgebiet verzichteten die Gubener: Die damit erlaubte Zweisprachigkeit auf den offiziellen Verlautbarungen schien ihnen allzu revanchistisch auf die Gubiner zu wirken.

Dafür stiftete Nordrhein-Westfalen ein "deutsch-slawisches Kulturzentrum".

Das residiert in der edel renovierten Villa Ludwig-A. Meyer - einem ehemaligen jüdischen Unternehmer, der das Nappaleder erfand.

Wegen der Zusammenarbeit mit Guben zählen die Lebenshaltungskosten in Gubin bereits zu den höchsten in Polen. Immerhin gibt es dort noch eine Schuhfabrik und eine Textilfabrik. Letztere produziert für den Export nach Westen. Manche Läden haben rund um die Uhr geöffnet, und gleich hinter der Brücke stößt man auf die ersten Wechselstuben.