Wer mehr als einen Gedanken niederschreiben will, zum Beispiel zwei, dem bietet sich eine unschlagbar schlüssige Reihenfolge an: erst der erste Gedanke, dann der zweite. Statt dessen den zweiten mitten in den ersten zu schieben, dient weder der Klarheit noch der Kraft, noch dem Lesefluß.

Rousseaus "Gesellschaftsvertrag" beginnt nicht: "Der Mensch, der frei geboren ist, liegt doch überall in Ketten", sondern: "Der Mensch ist frei geboren und ..." In der vorigen ZEIT (Seite 10) erfährt man über den hessischen Justizminister von Plottnitz, "den die hessische CDU längst zum ,Sicherheitsrisiko' erklärt hat", er halte an seinem Anspruch auf das bürgerrechtliche Erbe der Liberalen fest. Die beiden Aussagen werden also mutwillig verknäult, mit dem zusätzlichen Nachteil, daß der eingeschobene Nebensatz den Rang einer eigenständigen Hauptsache hat, und es ist geradezu gewaltsam, ihr den Hauptsatz zu verweigern: "Längst hat die CDU ..." Wer Hauptsätze durch Nebensätze unterbrechen will, braucht erstens eine zwingende Zuordnung und zweitens Könnerschaft, wie Heine: "Die Juden, wenn sie gut, sind sie besser, wenn sie schlecht, sind sie schlimmer als die Christen."