Dem Blick in zoologische Lehrbücher zeigt sich alles noch ganz eindeutig: Es robbten die Vorfahren der vierfüßigen Wirbeltiere vor rund 360 Millionen Jahren (im Oberen Devon) auf gestielten, muskulösen und merkwürdig quastenartigen Flossen aus dem Wasser ans Ufer.

Verantwortlich für dieses weitverbreitete Bild der Uramphibien war der amerikanische Wirbeltierexperte Alfred S. Romer. Er hatte sich zu seiner Theorie über den Ursprung der an Land lebenden Vierfüßler (und letztlich auch der Menschen) von den gestielten, wie Gliedmaßen abstehenden Extremitäten der Quastenflosser inspirieren lassen. Derartige Fische hielt man lange Zeit für ausgestorben doch in der oft fälschlich als "lebendes Fossil" oder "Urfisch" titulierten Latimeria chalumnae im Indischen Ozean haben sie immerhin eine noch heute lebende Verwandte.

Die im Devon erstmals an Land auftretenden Wirbeltiere verkörperten einen neuen Bauplan, ein neues Design. Wie entstehen solche anatomisch innovativen Entwürfe? Wie und warum verließen kiementragende Tiere einst das Wasser, um mit Lungen zu atmen und auf dem Trockenen zu leben?

Vielleicht sind derartige Neuschöpfungen doch nicht durch die Verkettung zahlreicher kleiner Schritte entstanden, wie dies der Naturforscher Charles Darwin in seiner Theorie vorsah. Viele Biologen bezweifeln heute, daß die bekannten Darwinschen Mechanismen von zufälliger Mutation des Erbgutes und anschließender Auslese durch die Umwelt ausreichen, um solche Großereignisse in der Entwicklung des Lebens, die sogenannte Makroevolution, zu erklären.

Makroevolutionisten vermuten Revolutionen, nicht Reformen. Ihrer Vorstellung nach verlief die Evolution phasenweise sprunghaft, machte das Leben gleichsam einen gewaltigen Satz - und im Fall der Amphibien einen Sprung an Land.

Daß sich die versteinerten Zeugnisse dieser kreativsten Momente der Naturgeschichte rar machten, war Wasser auf die Mühlen der Makroevolutionisten. Weil die großen Durchbrüche zu neuen Organisationsniveaus sprunghaft und eben nicht durch schrittweise Anpassung verlaufen seien, so ihre Theorie, fehlen auch die Zwischenglieder und ihre fossilen Überreste.

Zwei voneinander unabhängige Forschungsansätze brachten unlängst Licht ins Dunkel: Zum einen waren die ersten Landgänger nahe Verwandte der Lungenfische und eben nicht der Quastenflosser. Molekulargenetiker fanden heraus, daß Lungenfische und nicht Latimeria die meisten Übereinstimmungen in ihrem Erbgut mit den Wirbeltieren des Landes aufweisen. Vor 400 Millionen Jahren waren Lungenfische eine artenreiche Fischgruppe, die sowohl im Meer als auch im Süßwasser lebte. Sie haben bis heute in Gewässern Südamerikas, Afrikas und in Australien überlebt. Die urtümlichen Fische sind zu ihrem Namen gekommen, weil sie zusätzlich zu Kiemen paarige Lungen besitzen. Unter den heute lebenden Lungenfischen können einige nur noch mit Lungen atmen, andere dagegen auch noch unter Wasser mit Kiemen.