Eigentlich waren Billy Wilders Rückenschmerzen an allem schuld. Kein Stuhl, kein Sessel war dem Filmregisseur bequem genug. So war es nicht verwunderlich, daß der amerikanische Designer Charles Eames den Prototyp seines Lounge Chairs ausgerechnet seinem Freund Billy als erstem unterschob.

Eins, zwei, drei: Der Regisseur setzte sich, rutschte auf der Sitzfläche herum, schien schließlich seine optimale Position gefunden zu haben - und schlief ein. Charles war zufrieden, der Sessel ging 1956 in Produktion - und seitdem um die Welt.

Für die meisten Leute ist ein Stuhl ein zweckmäßiges Ding mit Sitzfläche und Lehne. Wie das Ding aussieht, ist den meisten Benutzern gleichgültig. Nicht so Charles und Ray Eames: Sie wollten Sitzgelegenheiten schaffen, die sowohl zeitlos elegant aussehen als auch erschwinglich sein sollten. Und natürlich bequem.

Als sie sich an die Arbeit machten, ahnte niemand, daß sie die Kunst der Form weit über ihre Zeit hinaus prägen würden. Jetzt zeigt das Vitra Design Museum in Weil am Rhein, wie die beiden Eames gedacht, gesammelt und gearbeitet haben: Photos, Zeichnungen, Skulpturen, Filme und Video-Interviews mit Freunden fügen sich zu einem Mosaik der angewandten Lehre von der optimalen Form. Natürlich gibt es für Designfreaks ein Wiedersehen mit den Wire-Chairs, auf deren glasfaserverstärkte Kunststoffrundungen Schulen, Sportstadien und Flughäfen in aller Welt so versessen sind.

Doch diese Wahrzeichen Eamesschen Schaffens machen nicht den Charme der Ausstellung aus. Charles (1907-1978) und Ray (1912-1988) waren alles andere als langweilige Stillsitzer. Und gerade die Vielseitigkeit ihrer Kreativität verführt nicht nur zum Schauen und Staunen, sondern lädt ein zum Mitentdecken und -experimentieren.

Einige Ausstellungsstücke findet nur der Neugierige, der Schubladen aufzieht, Knöpfe drückt oder kleine Holzkreisel auf einer horizontalen Mattscheibe tanzen läßt, über die Charles' Aufnahmen ebensolcher Kreisel in Großformat flimmern. Die legendären Möbelentwürfe mögen die bekanntesten Produkte der Eames sein, doch sind sie nur eine Facette ihres Schaffens. Berenice Kaiser, die bei Hans Hofmann in New York Malerei studierte und sich erst später Ray nennen sollte, heiratete den Architekten Charles Eames 1941. Das Paar zog bald von der Ost- an die Westküste - ein Ortswechsel, wie ihn zu jener Zeit Tausende vornahmen. In der Nähe von Los Angeles steht heute noch das bekannte Eames-Haus: eine Konstruktion aus Stahl und Glas, die wie ein Mondrian-Würfel wirkt.

Doch Charles verging die Lust am Bauen. Möbeldesign war der erste Bereich, dessen Möglichkeiten ihn faszinierten. Die meisten der Stuhl- und Sesselentwürfe entstanden in den vierziger und fünfziger Jahren. Damals schloß sich das Designduo einer Bewegung von Architekten und Bauunternehmern an, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, für die Kriegsheimkehrer erschwingliche Wohnungen zu schaffen.