Fehler der Vergangenheit rächen sich oft erst in der Krise. Heute haben die Vereinten Nationen, wollen sie ihre Autorität bewahren, keine andere Wahl, als volle Bewegungs- und Kontrollfreiheit für ihr Inspektionsteam im Irak durchzusetzen, notfalls mit militärischer Gewalt.

Aber ebenso gilt: Um diese Autorität über die jetzige Krise hinaus zu behalten, muß der UN-Sicherheitsrat eindeutig zu seiner Zusage stehen, das Wirtschaftsembargo gegen den Irak aufzuheben, sobald Saddam Husseins Regime nicht mehr in der Lage ist, die Golfregion und den Nahen Osten insgesamt mit Massenvernichtungswaffen zu bedrohen.

Darauf müssen sich auch die Vereinigten Staaten verpflichten, die wie kein anderes Mitglied des Sicherheitsrates die Gefährdung durch den Irak ernst nehmen.

Mit der Zurückweisung der amerikanischen Inspektoren haben Saddam Hussein und seine Berater die Überwachung der irakischen Abrüstungsverpflichtung ausgehebelt. Zu Recht drängte Amerika auf eine eindeutige, einstimmige Verurteilung. Ein Sicherheitsrat, der sich dazu nicht durchränge, würde Bagdad nur zu weiteren Störaktionen ermuntern.

Dann käme es allein auf die Bereitschaft Washingtons an, den Diktator von Bagdad zum Einlenken zu bewegen. Wann immer Saddam Hussein seine 1991 nach dem Ende des Golfkrieges übernommenen Verpflichtungen unterlaufen wollte, waren es die Vereinigten Staaten, die ihn, zumeist gewaltsam, in die Schranken zurückwiesen.

Manche Europäer verzerren den Konflikt am Golf zum Zweikampf zwischen einem verrückten Irak und einem verbohrten Amerika. Sie sollten sich lieber fragen, wer denn außer den Vereinigten Staaten für die Einhaltung verbindlicher Irakresolutionen streitet - und was die Folge wäre, am Golf und anderswo, wenn diese Beschlüsse mangels Durchsetzungswillen zu Makulatur würden. Präsident Clinton wird die Entscheidung zu einem Militärschlag nicht leichtfallen; die Wirkung auf den Irak ist weniger garantiert als die Empörung in der arabischen Welt und die Kritik vieler Partner Amerikas. Aber der Schaden - nicht nur für die Vereinigten Staaten - wäre ungleich größer, wenn die Uno wieder einmal als bloßer Debattierklub vorgeführt würde.

Allerdings: Nicht nur beim Strafen, auch bei der Strategie ist Amerika gefragt. Das Beharren auf Sanktionen, das Pochen auf unbehinderte Inspektionen ist noch keine Strategie - und mehr hat Washington seit dem Golfkrieg selten geboten. Der Irak ist ja kein besetztes Land: Die Unterstützung der dortigen Behörden ist erforderlich, sollen die Kontrolleure die irakische Fähigkeit zur Massenvernichtung aufdecken, den Abbau der Waffenbestände und -fabriken überwachen. Zu dieser Unterstützung kann das Tyrannen-Regime nicht durch Bomben oder Embargos gezwungen werden. Es muß vielmehr selbst darin einen Vorteil sehen.