Wir stecken voller Ideen - das ist unser Anfangskapital!" Tilman Au, Betriebswirtschaftsstudent im 3. Semester, und seine zwanzig Mitstreiter im Alter zwischen 15 und 21 Jahren haben außer guten Ideen noch eine Menge mehr zu bieten. Die Schüler, Zivildienstleistenden und Studenten wollen mit ihrem frisch gegründeten Verein "Micro Toys" High-Tech-Spielzeuge entwickeln und vermarkten. Bereits lieferbar sind der kleinste flugfähige Hubschrauber der Welt, der schon Eingang ins "Guinness Buch der Rekorde" gefunden hat, ein winziger strampelnder Radfahrer und schließlich der Welt kleinster Rennwagen, den Tilman Au vor kurzem auf einer Pressekonferenz der Öffentlichkeit vorstellt hat.

Die drei Spielzeuge wurden im Mainzer Institut für Mikromechanik entwickelt, ebenso wie der Elektromotor, der sie antreibt. Er ist nur fünf Millimeter lang und etwa zwei Millimeter dick. Der Zwerg soll künftig in Katheter eingebaut und in der minimalinvasiven Chirurgie eingesetzt werden. Schon jetzt entfaltet er enorme Kräfte, die den Miniaturradfahrer über ein streichholzkopfgroßes Planetengetriebe in Schwung bringen. Die beiden Rotoren des Hubschrauberwinzlings dagegen treibt er auf über 100 000 Umdrehungen in der Minute.

Der Hubschrauber ist schon bis nach China geflogen. Allerdings nur im Gepäck des rheinlandpfälzischen Wirtschaftsministers Rainer Brüderle, der das flugfähige Kunststück einem staunenden Provinzgouverneur überreichte. Der Beschenkte hätte ein solches Wunderwerk wohl eher für "made in Japan" gehalten.

Und das führt zum Kern des Problems. Zwar sehen sich die Deutschen gern als Bewohner eines Hochtechnologielandes. Doch die Naturwissenschaften sind bei den Schülern out, die Studentenzahlen in Maschinenbau oder Elektrotechnik sinken. Es fehlen Tüftler, die ihre guten Ideen bis zum fertigen Produkt entwickeln und eigene Firmen gründen, um dieses an den Mann zu bringen. "Dabei waren die Zeiten dafür nie günstiger als heute", meint Ursula Ehrfeld, die Geschäftsführerin des Mainzer Instituts für Mikromechanik (IMM). "Die neuen Techniken bieten gute Möglichkeiten für Existenzgründungen." Beispielsweise haben vor kurzem zwei Mainzer Mitarbeiter erfolgreiche Spin-Off-Unternehmen gegründet, und zwar für mikrostrukturierte Produkte aus Glas und präzise optische Meßgeräte.

Doch solch ein Schritt will gut vorbereitet sein, damit er nicht in Scheinselbständigkeit oder gar im Bankrott endet. "Einen unserer Physiker wollten wir ganz gezielt zum Existenzgründer und Unternehmer ausbilden. Aber er hat Angst bekommen und sich lieber für einen sicheren Job in der Industrie entschieden", erinnert sich Frau Ehrfeld. "Also war uns klar, wir müssen viel früher mit dieser Ausbildung anfangen - warum nicht bei den Schülern?"

Mit dieser Idee fand sie bei Minister Brüderle und der Stiftung Rheinland-Pfalz für Innovation ein offenes Ohr. Die Stiftung finanziert bereits fünfzehnmonatige Kurse, in denen Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter, aber auch Berufstätige außerhalb der Universität an Wochenenden auf die Existenzgründung vorbereitet werden. Jetzt gibt sie auch Geld für Micro Toys, immerhin 200 000 Mark, mit dem vor allem das Programm für die Jugendlichen bezahlt werden soll.

"Wir wollen die Schüler mit dieser Initiative an die Idee heranführen, vielleicht einmal selbst ein Unternehmen zu gründen", erklärt der Mainzer Ministerialrat Ulrich Müller die Ziele von Micro Toys. "Sie sollen in ganzer Bandbreite erfahren, was ein Unternehmer machen muß, um erfolgreich zu sein. Wir hoffen übrigens, daß wir auf Dauer immerhin die Betriebskosten von 'Micro Toys' mit dem Verkauf der Spielzeuge decken können." Ein halbes Dutzend Exemplare sind schon bestellt, zu Stückpreisen um 4000 Mark. Es handelt sich zwar noch um Managerspielzeuge und exklusive Werbegeschenke. Aber das kann sich womöglich ändern, wenn die Motoren und Spielzeuge erst einmal in großer Stückzahl produziert werden.