In einem Leitartikel der ZEIT (Nr. 44/97) führte der Autor das Scheitern der großen Steuerreform auf die gegenseitige Blockade der Parteien zurück. Es sollte aber nicht übersehen werden, daß die Reform vor allem deshalb gescheitert ist, weil sie zu keiner Zeit auf einem Konzept, sondern auf Illusionen beruhte. Auch künftige Reformen werden scheitern, wenn von diesen Wunschvorstellungen nicht Abschied genommen wird.

Illusion Nummer 1

Eine Tarifreform bringt eine Vereinfachung

Die meisten Vorschläge zielten auf Tarifreformen. Mit einem Tarifvorschlag konnte praktisch jeder Politiker flugs zum Steuerexperten werden. So wollte uns der CDU-Politiker Uldall, in dem viele einen führenden Experten sehen, weismachen, die entscheidende Vereinfachung der Einkommensteuer käme durch einen Stufentarif. Tatsächlich ist von einem nur politisch zu begründenden Tarif schon deshalb keine Vereinfachung zu erwarten, da der Tarif stets auf ein bereits festgestelltes Einkommen angewendet wird. Die vorausgehende Berechnung des Einkommens ist es aber, die die Schwierigkeiten der Besteuerung ausmacht.

Steht dieses erst einmal fest, so kann die Steuer selbst ganz einfach aus einer Tabelle abgelesen werden. Die mathematische Tarifformel, ob nun Stufentarif oder linear progressiver Tarif, braucht der Steuerpflichtige weder zu berechnen noch zu kennen. Daß uns zahlreiche selbsternannte Steuerexperten beinahe ein Jahr lang vormachen wollten, mit ihren Formel-Schnellschüssen sei eine Vereinfachung verbunden, war nichts als eine grobe Irreführung der Steuerbürger.

Illusion Nummer 2

Die Politik will bestehende Ausnahmeregelungen tatsächlich beseitigen