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Es ist ein schöner Traum, der Traum von der kommenden Informationsgesellschaft, in der alle Menschen schrankenlosen, blitzschnellen Zugriff auf den globalen Datenkosmos haben. Es ist das Internet, das den Stoff für diese Träume liefert. Die Realität sieht freilich profaner aus: Da ist der Zugriff für den einen Teil der Menschheit schrankenloser als für den anderen. In weite Teile des Erdballs ist das Internet noch gar nicht vorgedrungen. Und dort, wo es einen Zugang zum Netz gibt, sind die Kosten dafür sehr unterschiedlich. Der Grund liegt in der komplizierten Ökonomie des Internet, die sich verkürzt auf den Nenner bringen läßt: "Die Welt zahlt, Amerika kassiert." Um diese Ökonomie zu verstehen, muß man einiges über die Infrastruktur des weltweiten Datennetzes wissen.

Das Internet ist schnell: 0,0043 Sekunden dauert es heute, die gesammelten Werke von William Shakespeare in 200 Sprachen von New York nach Omaha zu schicken - das ist die Zeit, die eine Gewehrkugel braucht, um einen Apfel zu durchschlagen. Erzielt wurde dieser Wert auf der Glasfiberleitung eines amerikanischen Backbone, die pro Sekunde 2,4 Gigabit, also 2,4 Milliarden Bit überträgt.

Solche Backbones - zu deutsch "Rückgrat" - sind die Info-Rennbahnen des Datennetzes. Auf ihnen fließt neben dem Internet-Verkehr häufig auch ein Strom von digitalen Telephon- und Faxdaten. Von der Konstruktion der Auf- und Abfahrten, der Network Access Points (NAP), und der Kapazität der Backbones hängt die Zukunft des Internet ab. Sind sie überlastet, so stottert und stockt die Datenübertragung im Wohnzimmer des gewöhnlichen Internet-Surfers, weil die Bits größere Umwege machen müssen.

Aber die Leistungsfähigkeit der Backbones ist nicht das drängendste Problem im Internet. Problematisch ist hingegen die Verteilung der Backbones und der NAPs - eine Frage, die irgendwo zwischen Ökonomie, Politik und Chaos angesiedelt ist. Während in den USA das Gros der Backbones auf 622 Megabit pro Sekunde ausgelegt ist, wird die Übertragungsleistung immer geringer, je weiter man sich vom Kernland des Internet entfernt. So übertragen die Leitungen von und nach Deutschland je nach Dienstleister maximal 16 oder 34 Megabit pro Sekunde. Der indische Subkontinent ist nach einem Bericht der Fachzeitschrift Tele.com über eine 10-Mbit/s-Strecke ans Netz angebunden. Für die derzeit 40 000 indischen Internet-Teilnehmer ist dieser Flaschenhals schon problematisch, doch hat die Regierung gerade einen Plan vorgestellt, der zwölf Millionen Indern einen Netzanschluß bescheren soll.

Eine schnelle Verbesserung dieser Leitungsprobleme ist nicht zu erwarten. Mit viel Glück werden die Staaten der ehemaligen Sowjetunion im nächsten Jahr ihre internationale Internet-Verbindung von 10 auf 40 MBit/s aufrüsten können - seit drei Jahren wird bereits darüber verhandelt. Andere Länder sind noch schlechter dran: Die mittelamerikanischen Staaten sind mit lediglich 2 Mbit/s an die USA angebunden, Schlußlichter wie Costa Rica oder Kuba nur mit 64 kbit/s - das ist die Kapazität eines einzigen ISDN-Kanals.