Mit Kindern und Tieren ist es ja heikel, auf der Bühne ebenso wie vor der Kamera. Kaum treten sie auf, wendet sich alle Aufmerksamkeit ihnen zu. Weil sie so ganz bei sich sind absichtslos, unverfälscht, unbeirrt.

Bruder Hund! Schwester Katze ... Mensch weiß auch, daß ein Stück Tier in ihm über all die Tausende von Jahren hinweg überlebt hat. Das stimmt ihn wehmütig. Stichwort Triebverzicht. Das artverwandte Wesen nämlich darf, was er nicht darf: gähnen, ohne die Hand vor den Mund zu legen, das Bein heben, wo es ihm gerade einfällt, und sich in aller Öffentlichkeit paaren, wenn sich gerade ein Passender über den Weg trollt.

So sind denn Tiere, diese hinreißendsten aller Models, immer auch Gegenstand der Neugier von Photographen gewesen. Manche von ihnen haben sich auf einzelne Gattungen spezialisiert. Unvergessen, die Hundephotos von Elliot Erwitt beispielsweise ("Son of bitch"). Stets sahen die Vierbeiner dabei nicht nur selbstbewußt, sondern auch noch intelligenter aus als ihre Betreuer.

Der Münchner Photograph Stefan Moses hat nun zusammengetragen, was sich in vierzig Jahren Kameraarbeit unter der Rubrik "Tier und Mensch" in seinem Archiv fand. Herausgekommen ist ein hinreißender Photo-Essay über die Beziehung zwischen der Kreatur und ihrem (vermeintlichen) Dompteur. Mitunter tierisch komisch, meist aber poetisch und nie von jener neckischen Schmuckbildart, die Zeitungen gern auf der vermischten Seite mitnehmen.

Eine wahre Arche Noah, mit Krokodil, Elefant und Schimpanse, mit Igel, Mops und Riesenkanin. Eingefangen zwischen Argentinien und dem Chiemsee, auf der LPG Priemen und in Paris, in Rostock und in Baden-Baden. Moses philosophiert über die Magie der kreatürlichen Verwandtschaft über Instinkt und Neugier, über Nähe und Distanz. Er inszeniert die Abhängigkeit und unterstreicht, daß das Tier trotz aller scheinbaren Unterwürfigkeit der Bestimmer bleibt.

Vehement widerspricht Menschen- und Tierkenner Moses der Behauptung, Vierbeiner merkten nicht, wenn die Kamera ihnen auf den Pelz rückt.

Und weil es ihm gerade auf dieses Geheimnis ankommt, hat er neben die Bilder Texte von Dichtern gestellt. Von Canetti und Rilke, Heine und Czeslaw Milosz.