Ein Zinssatz, der sich über Nacht von 22 auf 46 Prozent verdoppelt.

Börsenkurse, die binnen zehn Tagen um über 35 Prozent in den Keller rutschen.

Unternehmen, die ihre Fabriken schließen: Auch Brasilien leidet nun unter den Beben, die der ostasiatische Börsencrash ausgelöst hat. Denn jetzt haben die Geldmanager der großen Fonds den südamerikanischen Riesen im Visier. Die brasilianische Zentralbank mußte bereits einen erheblichen Teil ihrer Devisenreserve versilbern, um den Real zu stützen. Sie setzt den Zins so hoch, daß eine Rezession der Fall sein kann. Gleichwohl rutschen die Devisenkurse tiefer und tiefer. Dabei will Brasilia um jeden Preis vermeiden, den Real massiv abzuwerten. Die Abwertung würde nicht nur das Interesse ausländischer Geldanleger an brasilianischen Schuldtiteln und Investitionen erlahmen lassen, es wäre für das Land auch viel schwieriger Kredite zurückzuzahlen. Ein Problem, das viele asiatische Staaten gut kennen, auch sie versuchten aus ähnlichen Überlegungen monatelang, ihre Währungen zu stützen.

Ob mit der gegenwärtigen Geldpolitik und den nun angekündigten Sparmaßnahmen, Zollanhebungen und Steuererhöhungen die Kapitalflucht jedoch gestoppt werden kann, bleibt zweifelhaft. Denn Brasilien gilt als gefährdeter Kandidat. Schon seit Monaten wird darüber spekuliert, ob die achtgrößte Industrienation der Welt nicht auf ein ähnliches Desaster wie Mexiko Ende 1994 zusteuert.

An Kassandra-Kommentaren, etwa vom bekannten Ökonomie-Professor Rüdiger Dornbusch, hat es bereits vor dem asiatischen Börsencrash nicht gefehlt. Doch in Brasilia verbreitete man lange ungetrübten Optimismus: Der Real bleibe hart, die makroökonomischen Daten des Landes seien blendend, und noch nie zuvor habe Brasilien so viele Devisen besessen.

Tatsächlich stabilisierte der im Sommer 1994 begonnene Plano Real die Währung eine ganze Zeitlang. Für das Land, das Jahre unter Hyperinflation gelitten hatte, begann damit ein ungeahnter Aufschwung. Die Koppelung der brasilianischen Währung an den Dollar, die Öffnung und die Deregulierung der verfilzten Staatswirtschaft und der Nachholbedarf eines gewaltigen Marktes von 160 Millionen Konsumenten öffneten die Schleusen für ausländisches Kapital. Rund hundert Milliarden Dollar sind seither nach Brasilien geflossen kaum eine Woche verging, ohne daß nicht große Konzerne, besonders aus der Autobranche, Baupläne von neuen Fabriken verkündeten. Auch deutsche Unternehmen - allen voran Volkswagen und Mercedes - schoben umfangreiche Investitionsprogramme an.

Nun werden etliche Bauvorhaben in aller Stille storniert. Bei Volkswagen do Brasil wird kurzgearbeitet, und auch in anderen Automobilfabriken herrscht Depression. Die Brasilianer stellen sich auf harte Zeiten ein, Autokäufe werden da vorerst zurückgestellt.