Viele hatten den Kämpfer erwartet, es kam der Komödiant. Anstatt auf seine immer lauteren Kritiker zu antworten, nahm sich Microsoft-Chef Bill Gates am Sonntag bei seiner Eröffnungsrede der Comdex, der weltweit bedeutendsten Computermesse in Las Vegas, vor allem selbst auf die Schippe.

Oder zumindest versuchte er es.

Gates lieferte zunächst zehn Gründe, warum er seinen Personalcomputer liebt.

"Weil er alle Funktionen in meinem neuen Haus steuert (was manchmal funktioniert)", lautete ein Grund. "Weil ich damit Informationen im Internet finden kann, um mich in meinen Reden nicht zu wiederholen", war ein anderer.

Diesen Liebesgrund illustrierte Gates mit einem kurzen Video, das einige Lacherfolge erntete. Der Microsoft-Chef hatte mehrere seiner jüngsten Reden zusammenschneiden lassen - und zwar so, daß er immer wieder die gleichen High-Tech-Floskeln wiederholte: Web-Lifestyle, digitales Nervensystem, reibungsfreier Kapitalismus ...

Derart humoristisch ist der Software-Manager selten. Die etwas gewollte Imagepflege ändert nichts daran, daß Microsoft sich knallhart gegen die Vorwürfe seiner Widersacher und des Justizministeriums zu verteidigen gedenkt. Die weltgrößte Software-Schmiede sei Opfer einer "Hexenverfolgung", meinte Gates noch vergangene Woche.

Wenige Tage zuvor hatte Gates schon im Wall Street Journal zur Gegenoffensive geblasen: "Die Interessen der Verbraucher scheinen weniger wichtig als die Beschwerden einer Handvoll Konkurrenten. Sie verlangen von der Regierung, ihnen im Wettbewerb zu helfen - und Microsoft zu verbieten, seine Produkte zu verbessern." Gates sieht auch nichts Verwerfliches darin, daß sein Betriebssystem Windows, das über neunzig Prozent der Personalcomputer weltweit steuert, immer mehr Funktionen schluckt und damit Konkurrenten den Markt kaputtmacht. Danach verlange eben der Verbraucher: "Wenn Windows jetzt auch im Internet blättern kann, ist das nur ein logischer weiterer Schritt in der Entwicklung des Programmes."