Wer sie unterschätzt, so warnte Springer-Biograph Michael Jürgs, "dem vergeht das Lachen". Dieser Fehler muß dem Vorstandschef des Hamburger Springer Verlags, Jürgen Richter, unterlaufen sein. Friede Springer, die letzte Ehefrau und Haupterbin des 1985 verstorbenen Verlegers Axel Springer, mochte die übergroße Machtfülle, die Richter an sich gezogen hatte, ebensowenig länger dulden wie seinen gelegentlich schroffen, manchmal brüskierenden Umgangston. Nun muß er zum Jahresende das Unternehmen verlassen - mehr als ein Jahr vor Ablauf seines Vertrages.

Dabei ist die offizielle Presseerklärung, das Unternehmen sei ihm "zu großem Dank verpflichtet", keineswegs als die übliche Trennungsfloskel zu verstehen.

Richter, obwohl gerade einmal gut drei Jahre für das Geschick des größten deutschen Zeitungsverlags verantwortlich, kann zum Abschied den Eigentümern glänzende Zahlen hinterlassen. Der Verlag kann für dieses Jahr einen kräftigen Gewinnanstieg auf über 200 Millionen Mark (Vorjahr: 164 Millionen - siehe Kasten) verbuchen. Doch ökonomischer Erfolg ist zumindest im Mediengeschäft eben nicht alles, jedenfalls dann nicht, wenn es dem Unternehmen gutgeht.

Ausgerechnet sein wirtschaftlicher Erfolg scheint dem gebürtigen Sachsen schließlich zum Verhängnis geworden zu sein: Er fühlte sich unangreifbar.

Dabei konnte er sich durch das offenkundige Vertrauensverhältnis, das zwischen ihm und der Hauptaktionärin bestand, durchaus bestärkt sehen.

In einem Interview, das Friede Springer Anfang 1996 der Welt, dem publizistischen Flaggschiff des Springer Verlags, gab, schwärmte sie von der "guten Verfasssung" des Unternehmens seit dem Amtsantritt von Richter, und weiter: "Ich erwarte eine lange, in die Zukunft reichende personelle Kontinuität mit Herrn Richter an der Spitze." Obendrein zollte ihm auch die Branche Beifall: Für seine schnellen Sanierungserfolge und erfolgreiche neue Zeitschriften (Computer Bild, Allegra, Familie & Co.) wählten ihn Branchenexperten zum "Medienmann des Jahres 1996". Er habe, so hieß es in der Laudatio bei der Preisverleihung Anfang dieses Jahres, "in atemberaubender Geschwindigkeit auf allen Ebenen - Marktmacht, Ergebnis und letztlich auch Image - einen kompletten Neuanfang geschafft".

Seither ist allerdings zunehmend von Ungeschicklichkeiten und Fehlern die Rede, die seine Erfolge in den Hintergrund drängen. Was beispielsweise zunächst als glänzender Einstand gefeiert wurde - die Verschlankung des Vorstands auf nur noch vier Personen und die kräftige Entrümpelung der aufgeblähten Direktoren- und Stabsebenen -, verkehrte sich schließlich zu einem gravierenden Nachteil. Denn Richter selbst vereinte alle wichtigen Ressorts auf sich: Zeitungen, elektronische Medien, Personal.